Mit Lenin Ums Ganze kämpfen!

Antwort der Sozialistischen Initiative Berlin (SIB) an die im kommunistischen …ums Ganze!-Bündnisorganisierte Bremer Basisgruppe Antifa auf deren Text„Der Klassenkampf und die KommunistInnen“

http://www.trend.infopartisan.net/trd0812/Lenin_contra_Geschichtsdeterminismus_FINAL.pdf

Quelle:
http://www.trend.infopartisan.net/trd0812/030812.html. Wir haben jetzt noch die dortige: http://web.archive.org/web/20130413013708/http://www.nao-prozess.de/blog/sib-antwortet-basisgruppe-antifa-mit-lenin-ums-ganze-kaempfen/ .html-Version entdeckt und wir werden sie demnächst hierher importieren. Von dort entnehmen bereits jetzt die seinerzeit unter dem Artikel erschienenen Kommentare.

Ein Gedanke zu „Mit Lenin Ums Ganze kämpfen!“

  1. Unter dem Artikel erschienen damals die folgenden 20 Kommentare:

    Tino P. sagt:
    30. Juli 2012 um 22:09
    EIN GÄNZLICH VERFEHLTER ANTWORT-TEXT!

    Die Bremer Basisgruppe Antifa schreibt einen noch etwas unausgegorenen aber für das NAO-Projekt durchaus interessanten dreiseitigen Text, worauf die SIB einen zwanzigseitigen Antworttext produziert, der an dogmatischer Verblendetheit, politischer Sturheit und Ungeschicklichkeit kaum zu überbieten ist. Der Text ist wohl, so vermute ich, von DGS ausformuliert worden und vom SIB-Kollektiv in sträflicher, gedankenloser Fahrlässigkeit gebilligt worden.

    1. Die Bremer stellen ins Zentrum ihres Textes, wie sie sagen, ein Plädoyer für eine Struktur mit syndikalistischen Charakter einerseits und Alternativ- und Gegengesellschaftlichen Charakter andrerseits. Als zentrales Beispiel um ihre politische Grundphilosophie zu verdeutlichen, erwähnen sie die amerikanische Industrial Workers of the World (IWW). Anstatt den GenossenInnen der ums Ganze-Bündnis organisierten Bremer Basisgruppe zuzurufen ausgezeichnet, grossartig, werte Genossinnen und Genossen, die IWW als historische und vielleicht wieder für heute aktuelle Referenz wollen wir mit euch und in der NAO gerne vertieft anschauen und auf seine Aktualität hin diskutieren. Die IWW wurde in den USA 1905 gegründet, erlebte ihre Blütezeit von etwa 1910–1925 wo sie um die 100’000 Menschen organisierte. Die IWW war in der Geschichte der USA des 20. Jahrhunderts die radikalste und herrlichste Organisation überhaupt, sie erinnert in vielen Aspekten an die Blütezeit von Marx’ Erster Internationale um die Zeit der Pariser Kommune. Ihr glühender Internationalismus und ihre bedingungslose Verbundenheit mit den damaligen „Verdammten dieser Erde“ waren legendär. Sie waren die ersten in den USA, die – WELCH EINE ENORME AKTUALITÄT FÜR HEUTE – ALLE SCHICHTEN des PREKARIATS, wie man das heute nennen würde zum Teil sehr erfolgreich organisierten. Damals waren es die Frauen, die ungelernten ArbeiterInnen, die AfroamerikanerInnen, die damals weit verbreiteten WanderarbeiterInnen und sogar die indianischen UreinwohnerInnen. Die IWW war eine Mischung aus Gewerkschaft und politischer Organisation, sie war ihren Mitgliedern und ihrem Umfeld eine effiziente Kampforganisation und gleichzeitig eine politische, gegengesellschaftliche und kulturell-politische Heimat – auch das sind interessante aktuelle Aspekte für die Gegenwart.
    Die IWW, weil sie so revolutionär war und weil sie gezielt die Gesellschaft von ganz unten zu organisieren versuchte, war eine echte Gefahr für die herrschende Klasse. Die Repression und Verfolgungen durch Kapital, Mafias und den bürgerlichen Staatsapparat waren fürchterlich, was die Bewegung allerdings in letzter Konsequenz wahrscheinlich zerbrach, waren innere Zerwürfnisse. Sinowjew, nur dank Lenin, seit anfangs 1919 Präsident der neuen Kommunistischen Internationale, tat wie in allen anderen Länder auch in der USA mittels der dortigen Kommunistischen Partei alles, um lebendige pluralistische Organisationsansätze zu zerstören. Für den leninistischen Monolithismus war eine Organisation wie die IWW natürlich ein Unding, die sofort „bolschewisiert“ werden musste. Sinowjew war ein kranker Fanatiker, ein skrupelloser Sektierer, der nicht mit politischen Argumenten arbeitete, sondern mit Intrigen, Verleumdungen, Lügen, Drohungen, Erpressungen und putschartigen Manövern. Das regelrecht verheerende Wüten von Lenins rechter Hand in den Sektionen der Internationale wird noch heute von den meisten Linken unterschätzt. Auf jeden Fall hatte das Auswirkungen auf die Intervention der amerikanischen KP in der IWW mit einer Serie völlig unnötiger Spaltungen, die wesentlich zu ihrem Niedergang beitrugen.

    2. Nun, anstatt also auf das eigentliche inhaltliche Anliegen der Bremer Basisgruppe einzugehen, was tut da der SIB-Antworttext? Er nimmt eine einzeilige Bemerkung der Bremer in deren FUSSNOTEN-Teil (!!!) wo sie kurz über eine angeblich „geschichts-deterministische Verkehrung der LeninistInnen“ reden und polemisiert dann geschlagene 16 Seiten lang gegen diese Bremer-Behauptung OHNE MIT EINEM EINZIGEN WORT AUF DAS POLITISCHE VORBILD DER BREMER, NÄMLICH DIE IWW EINZUGEHEN!

    3. Das allein wäre schon als Diskussionsmethode schlimm genug, aber es kommt noch viel dicker. Der SIB-Text betoniert die Bremer nun mit 14 Leninzitaten und 43 zum Teil langatmigen Fussnoten vor allem mit Hinweisen auf Leninwerke regelrecht zu. Diese nicht enden wollende Zitiererei von Gurus ist nicht nur langweilig, unergiebig und abstossend, es ist fast immer auch ein sicherer Hinweis auf den dogmatisch-scholastischen Charakter der Autoren.

    4. Nicht genug der Zitiererei, nein die Zitiererei geschieht obendrein noch vollständig unkritisch. Kritisches Zitieren würde nämlich beinhalten, dass man die aus dem theoretischen Werk zitierten Abschnitte vergleicht mit der entsprechenden konkreten Praxis des zitierten Autors. Das ist für orthodoxe und dogmatische Leninisten ziemlich schwierig, denn bei keinem Klassiker ist der Graben zwischen Theorie und Praxis so tief wie bei Lenin. Es ist ganz klar was die Bremer bezüglich der zu Recht kritisierten leninistischen „Trennung zwischen den zu Befreienden und den Befreiern“ gemeint haben, nämlich dass die Befreiung der Unterdrückten letztlich das Werk der Unterdrückten selbst sein muss und nicht der autoritär dirigierenden Partei.
    Der stetige systematische Vergleich zwischen Theorie und entsprechender Praxis in der analytischen Arbeit ist übrigens ein Kernstück des dialektischen Materialismus, ebenso wie umgekehrt das Nicht-Vergleichen ein Charakteristikum des (bürgerlichen) Idealismus ist.

    5. Um das Schlamassel dieses Textes gewissermassen noch abzurunden, behauptet er, dass Rosa Luxemburg eine Vertreterin des Geschichtsdeterminismus bezüglich der sogenannten Zusammenbruchstheorie des Kapitalismus sei. Diese Theorie wurde in der Zweiten Internationale z.T. von Reformisten und z.T. von ultralinken Kreisen mit unterschiedlichen Betonung vertreten, sie besagt, dass der sich entwickelnde Kapitalismus unabhängig von den Klassenkämpfen, aus seinem ihm innewohnendem Funktionieren eines Tages in sich zusammenbrechen werde. Determinismus heisst der Gang der Dinge ist vorherbestimmt, kommt unweigerlich, automatisch. Rosa hat was ganz anderes gesagt, nämlich: In der Theorie von Marx über die sich folgenden Zyklen der Akkumulation von Kapital fehlt neben den Faktoren technische Revolutionen, Extraprofit, Zusammensetzung des Kapitals, Überproduktionskrisen, Zerstörung von Produktivkräften und neuer Zyklus ein wichtiges Element, nämlich dass die Gesamtgrösse aller Märkte der Welt sich im Zuge des sich entwickelnden Kapitalismus längerfristig stetig zunehmen müsse um sein NORMALES FUNKTIONIEREN AUFRECHT ZU ERHALTEN. Das trifft zu und die letzten 60 Jahre haben dies bestätigt, das Gesamtvolumen der Märkte ist unter dem Strich stetig gewachsen durch Ausdehnung der Märkte in der 3. Welt und durch Erweiterung der Märkte in bisher noch nicht vom Markt versorgten Sektoren wie Gesundheit, Erziehung etc. Die neoliberale Strategie des Kapitals am Ende des langen Prosperitätszyklus Ende der 70er Jahre hat genau dies bewirkt und bestätigt; die Ausdehnung der Märkte via China, Ex-Sowjetunion und Privatisierungen weltweit war die ökonomische Grundlage der relativen Stabilität des Weltkapitalismus der letzten 35 Jahre. Dem ökonomisch bedingten automatischen Zusammenbruch des Kapitalismus hat Rosa nie das Wort geredet, ihr ging es um ein Erklärungsmodel für das Phänomen der fortschreitenden kapitalistischen Akkumulation.

    6. Schlussfolgerung. Man könnte einwenden, dass der SIB-Text ein nicht gerade glücklicher Text sei und Schwamm darüber, kann ja mal passieren. Leider können wir das keineswegs so sehen, er steht symptomatisch für eine ALTE DENK- und ARBEITSWEISE, er drückt aus, dass die radikale Linke noch nicht viel reifer ist als in den 70er Jahren, dass sie sehr wenig hinzugelernt hat, immer noch dieselbe sterile Zitiererei, immer noch diese Angst vor einer stringenteren Leninkritik, immer noch diese unkritische Haltung gegenüber den „grossen Meistern“, immer noch dieses scholastische Vorbeireden an Gruppen wie den Bremern, immer noch dieses massenweise Herumschmeissen von alten heute unverständlichen Politbegriffen der 70er Jahren z. B. in der Ausformulierung der fünf Grundprinzipien………
    Eins steht meiner Ansicht nach fest: Mit dieser Art kann man allenfalls eine geringfügig grössere (leninistische) Sekte aufbauen, 300-400 Leute statt 70 Leute wie bisher, aber eine NEUE ANTIKAPITALISTISCHE ORGANISATION ALS LEBENDIGER, ATTRAKTIVER, RADIKALER ANTIKAPITALISTISCHER POL – NIEMALS.

    —–

    DGS_TaP sagt:
    31. Juli 2012 um 11:35
    Lieber Tino,

    Dein Text bereitet mir ein grundlegendes Unbehagen und eine große Freude:

    1.

    Das Unbehagen bereitet mir, daß Du einerseits sagst:

    “er [der SIB-Text über Lenin] drückt aus, dass die radikale Linke noch nicht viel reifer ist als in den 70er Jahren”,

    und andererseits aber schreibst:

    “Sinowjew war ein kranker Fanatiker, ein skrupelloser Sektierer, der nicht mit politischen Argumenten arbeitete, sondern mit Intrigen, Verleumdungen, Lügen, Drohungen, Erpressungen und putschartigen Manövern. Das regelrecht verheerende Wüten von Lenins rechter Hand in den Sektionen der Internationale wird noch heute von den meisten Linken unterschätzt.”

    Das Letztere ist nun wirklich 70er-Jahre-mäßig! – um nicht zu sagen 30er Jahre-mäßig, direkt dem Wortschatz der Anklageschriften der Moskauer Prozesse entsprungen: Der innerparteiliche Gegner wird in den Verbrecher und Kranken transformiert… –

    Derartige ad hominem-Angriff sollten wir nun wirklich hinter uns lassen! Aber Dich zieht es anscheinend sehr auf das Feld der Personen und der Biographik – so auch im Falle des Leninismus:

    “Kritisches Zitieren würde nämlich beinhalten, dass man die aus dem theoretischen Werk zitierten Abschnitte vergleicht mit der entsprechenden konkreten Praxis des zitierten Autors.”

    Aus einem derartigen Abgleich mag ein Argument gegen die Person, die das eine sagt und (vermeintlich) das andere tut, folgen. Aber da Lenin für die Gremien einer etwaigen NaO nicht als Kandidat zur Verfügung stehen wird, ist diese Frage für uns müßig.

    Nicht müßig, sondern zentral für den Stil (die Kultur) der Diskussion ist dagegen:

    Ein theoretisches Argument kann nicht durch Verweis auf den Lebenswandel oder die politische Praxis der Person, die das theoretische Argument vorbringt, entkräftet werden. Theoretische Argumente können auch nur theoretisch entkräftet werden. Du weichst dagegen vom Feld der Theorie auf das Feld der Geschichte und der Biographik aus. Aber ich werde Dir – wie schon beim ersten Versuch – auch diesmal nicht auf dieses Terrain folgen.

    Ein theoretisches Argument gegen den Leninismus wäre, wenn Du nicht versuchen würdest, eine (vermeintliche) Differenz zwischen dem Reden und Handeln Lenins aufzuzeigen, sondern, wenn Du zu zeigen versuchen würdest, daß Lenins Theorie unstimmig war, daß sie nicht die Folgen zeitigen konnte, die Lenin beabsichtige / zu beabsichtigten erklärte; wenn Du versuchen würdest zu zeigen, daß Lenins Theorie zu der politischen Praxis führen mußte, die Du für falsch hälst. Das wäre aber eine ganz andere Argumentationsweise, als einen Widerspruch zwischen Theorie und Praxis Lenins zu behaupten!

    2.

    a) Ich bin hocherfreut, daß nicht nur die SIB, die standhaft das Essential des revolutionären Bruchs verteidigt, sondern mit Dir auch ein Genosse, der eine künftige NaO für das diffus-antikapitalistische Spektrum öffnen möchte (“breit” statt eine “perfekte revolutionär-marxistisch-sozialistische Organisation” solle eine NaO sein; vgl. meine dortige Kritik), mit dem Ums Ganze-Bündnis ins Gespräch kommen möchte und daß Du sogar meinst, wir würden in unserem eigentlich ganz flirtend gemeinten Textchen zu rüde den Bremer UG-GenossInnen umspringen:

    “Antworttext produziert, der an dogmatischer Verblendetheit, politischer Sturheit und Ungeschicklichkeit kaum zu überbieten ist”

    “Der SIB-Text betoniert die Bremer nun mit 14 Leninzitaten und 43 zum Teil langatmigen Fussnoten vor allem mit Hinweisen auf Leninwerke regelrecht zu.”

    Ich halte – im Gegensatz zu Dir – den Bremer Text auch gar nicht für “etwas unausgegoren”. Okay, es gab eine handvoll unklarer Formulierungen. Aber das ließ sich mit 2, 3 Kommentaren hin und her unter dem Bremer Text schnell klären: http://www.nao-prozess.de/blog/elaborierter-antikapitalismus-konkret-bremer-ums-ganze-gruppe-nimmt-zum-klassenkampf-stellung/#comment-2220 ff.

    b) Was danach noch ungeklärt im Raume stand, war die Frage des Geschichtsdeterminismus und des Leninismus:

    Gehören sie zusammen und beide verworfen, wie die GenossInnen aus Bremen meinen? Oder ist der Geschichtsdeterminismus in der Tat zu verwerfen, aber der Leninismus gerade eine konkrete Form dieser Verwerfung, wie die SIB meint?

    Ich weiß natürlich nicht, ob es uns mit unserem kleinen Textchen gelingt, den UG-GenossInnen den Schrecken vor dem Leninismus zu nehmen (Du, Tino, fällst uns bei diesem Versuch leider gerade ein bißchen in den Rücken , aber so spielt das politische Leben eben manchmal…).

    Aber es würde mich sehr überraschen, wenn die Bremer GenossInnen in dieser Fragestellung ein Zeichen der “dogmatische[n] Verblendetheit, [der] politische[n] Sturheit und [der] Ungeschicklichkeit” sehen. – Aber lassen wir uns überraschen, was sie antworten, falls sie denn antworten.

    c) Na gut, Du bist ja Schweizer und in der Schweiz gibt es kein UG-Bündnis, insofern will ich aus dem folgenden kein Vorwurf machen – aber mir scheint, Du verkennst ein bißchen die politische und diskursive Lage in der BRD:

    Wenn ich Deinen Kommentar recht verstehe, scheinst Du der Ansicht zu sein, daß wir den NaO-Prozeß für UG-GenossInnen attraktiver machen würden, indem wir ihn mehr auf die Massen ausrichten (“lebendiger, attraktiver, radikaler antikapitalistischer Pol” statt “unverständlichen Politbegriffen”).

    Das dürfte m.E. aber nicht klappen. (Das UG-Bündnis ist ja nicht die Interventionistische Linke .).

    Du schreibst, der UG-Text sei ein “ein Plädoyer für eine Struktur mit syndikalistischen Charakter einerseits und Alternativ- und Gegengesellschaftlichen Charakter andrerseits”. Damit läßt Du aber das dritte Element des Bremer UG-Vorschlages einfach weg:

    “Beide vermittelt zueinander über kommunistische (Selbst-)Organisierungen als strategisches Zentrum in Form von Theorie und Praxis, kollektiver Debatte und Reflexion. Dies, vermittelt nach ‘außen’ in Form von Agitation und Propaganda.”
    http://www.nao-prozess.de/blog/elaborierter-antikapitalismus-konkret-bremer-ums-ganze-gruppe-nimmt-zum-klassenkampf-stellung/

    “kommunistische (Selbst-)Organisierung” – das ist das (mir sehr sympathische) Selbstverständnis des UG-Bündnisses. Und solche “kommunistische[n] (Selbst-)Organisierungen” sollen (was ich ebenfalls sehr richtig finde!) das “strategische Zentrum” der Trias von (syndikalistischer) Gewerkschaft, Alternativ-/Gegengesellschaft und eben kommunistischer Organisierung sein!

    Kommunistische Organisierung als strategisches Zentrum (und zwar in der avancierten “Form von Theorie und Praxis, kollektiver Debatte und Reflexion”) ist in der Tat notwendig, wenn Gewerkschaftsarbeit und alternativgesellschaftliche Projekte nicht im Reformismus stecken bleiben sollen!

    Und: Die Berliner UG-Gruppe sagte zwar gerade im Konkret-Interview etwas, was ich ebenfalls sehr richtig finde: “Dafür [‚konsequenten Antikapitalismus im politischen Prozeß‘, dg] muß man sich eben organisieren und die eigene Kritik dort hintragen, wo nicht eh alle unserer Ansicht sind. […]!”

    Aber damit ist nicht gesagt, daß es zwischen unserer – hoffentlich perspektivisch mal gemeinsamen – kommunistischen Organisierung und denjenigen, die Antikapitalismus mit Bankenkritik verwechseln, keinen Unterschied mehr gibt!
    Nein, auch die Bremer Ums Ganze-Gruppe spricht “von Agitation und Propaganda” “nach ‘außen’”! Es gibt also einen Unterschied zwischen KommunistInnen und Nicht-KommunistInnen! Das ist der ‘implizite Leninismus’ des Bremer Papiers und des UG-Bündnisses.

    Das ist die Grundlage, auf der der NaO-Prozeß und das UG-Bündnis perspektivisch zusammenkommen können.

    Gemeinsam den Dialog mit dem UG-Bündnis führen – statt historische Nebenkriegsschauplätze aufmachen!

    Für einen revolutionären Aufbauprozeß!

    Für den Kommunismus!

    PS.:

    “Der stetige systematische Vergleich zwischen Theorie und entsprechender Praxis in der analytischen Arbeit ist übrigens ein Kernstück des dialektischen Materialismus, ebenso wie umgekehrt das Nicht-Vergleichen ein Charakteristikum des (bürgerlichen) Idealismus ist.”

    Ja, aber auch dieses Vergleichen ist ein Denken und als solches eine Praxis, theoretische Praxis – eine Praxis, die (wie Marx in der Einleitung von 1857 sehr richtig sagte) im Kopf (S. 632) stattfindet.

    PPS:

    “Dem ökonomisch bedingten automatischen Zusammenbruch des Kapitalismus hat Rosa nie das Wort geredet”

    Die von uns angeführten Stellen kannst Du ja nun nicht einfach aus dem Werk Luxemburgs rausstreichen…

    PPPS.:

    “Als zentrales Beispiel um ihre politische Grundphilosophie zu verdeutlichen, erwähnen sie [die BremerInnen] die amerikanische Industrial Workers of the World (IWW). Anstatt den GenossenInnen der ums Ganze-Bündnis organisierten Bremer Basisgruppe zuzurufen ausgezeichnet, grossartig, werte Genossinnen und Genossen, die IWW als historische und vielleicht wieder für heute aktuelle Referenz wollen wir mit euch und in der NAO gerne vertieft anschauen und auf seine Aktualität hin diskutieren.”

    Ich denke zwar nicht, daß diejenigen SIB-Mitglieder, die in DGB-Gewerkschaften organisiert sind, jetzt alle Knall auf Fall zur IWW übertreten, aber die SIB schrieb schon bevor ich eines ihrer Mitglieder wurde: “Mit einigem, was Robert Schlosser an unserem Papier kritisiert, rennt er bei uns offene Türen ein. Etwa, was […] den […] Hinweis [angeht], ‘so was wie die SUD in Frankreich würde der Entwicklung einer klassenkämpferischen Gewerkschaftsbewegung in Deutschland ausgesprochen gut tun’” (meine Hv.).

    Und Micha Schilwa und Mattte schrieben in ihrer Antwort auf Angela Klein: “Die prinzipielle Verteidigung der Einheitsgewerkschaft ist natürlich kein Selbstzweck und verträgt sich durchaus mit der Akzeptanz ‘unterschiedlicher Pfade nebeneinander’ (z.B der GdL in Deutschland) und einer kompromisslosen Kritik etwa der Verdi/DGB-Initiativen zur ‘Tarifeinheit’.” (wiederum meine Hv.)

    —–

    Querverweis sagt:
    31. Juli 2012 um 11:55
    Vgl auch:

    Linksradikaler Pragmatismus und Humanismus ODER theoretisch informierter Angriff auf die Gesellschaftsstruktur? [Zitat aus der UG-Broschüre Staat, Weltmarkt und die Herrschaft der falschen Freiheit]

    http://www.nao-prozess.de/blog/linksradikaler-pragmatismus-und-humanismus-oder-theoretisch-informierter-angriff-auf-die-gesellschaftsstruktur/

    —–

    Tino P. sagt:
    1. August 2012 um 19:02
    @ DGS

    1. Du sagst ich müsste aufzeigen dass „Lenins Theorie UNSTIMMIG war und dass sie nicht die Folgen zeitigen KONNTE, die Lenin beabsichtigte und dass sie zur politischen Praxis führen MUSSTE,“ die dann auch geschah und die ich für falsch halte.
    Du bist wohl blind und taub zugleich, in all meinen den Leninismus kritisierenden Texten habe ich genau dies seitenlang getan. Ich habe aufgezeigt wie das gesamte Denken und Handeln von Lenin auf drei ehernen Säulen beruht: Auf einem extremen Zentralismus, auf dem Substitutionalismus und auf dem Monolithismus und das diese drei Elemente eng und wechselseitig ineinander verzahnt sind und dann habe ich anhand von 40-50 politisch relevanter konkreter Beispiele, d.h. anhand von historischen Fakten, deren Korrektheit eindeutig und wissenschaftlich abgesichert sind, aufgezeigt wie die Säulen dieses theoretischen Gebäudes zu diesen Beispielen hingeführt haben und inwieweit sie mit der Logik des theoretischen Fundaments des Leninismus eng und zwangsläufig verbunden sind.
    Also z. B. der Substitutionalismus d.h. das Handeln und Entscheiden der Partei anstelle der Klasse beruht auf einem tiefen Misstrauen Lenins gegenüber der Autonomie der Klasse. Lenin war ständig besorgt, dass die Massen die falschen Entscheidungen treffen könnten, deshalb war er sein Leben lang und bereits 1905 den Räten gegenüber skeptisch bis feindlich gesinnt. Eine der Folgen dieses substitutionalistischen Misstrauens war der Zentralismus und die Folge dieses wiederum waren die winzigen Entscheidungsgremien, die im Laufe der Zeit immer winzigen wurden, zuerst lag die Macht im 20 köpfigen Zentralkomitee, dann im 5 köpfigen Politbüro und dann im mit totalitären Befugnissen ausgestatteten Generalsekretariats. Und weil Lenin nicht nur den Massen in den Sowjets misstraute, sondern auch die gleiche Angst hatte, dass die eigene Parteibasis die falschen Entscheidungen treffen könnte, wurde der Zentralismus immer extremer was wiederum in engem Zusammenhang steht mit der systematischen und sich ständig erweiternden Politik der Ernennungen von Oben im gesamten Staats- und Parteiapparat, was wiederum zusammenhängt mit der verheerenden Verschmelzung von Staat und Partei und dem Fraktionsverbot in der Partei, was wiederum mit dem wachsenden Monolithismus verkabelt ist und dies alles wiederum mit der wachsenden Einflussnahme der Tscheka und dies alles mit dem Rausschmiss der kritischen Revolutionäre aus dem ZK und der Konzentrierung der Macht in den Händen von Leuten wie Stalin und Sinowjew und dies alles wiederum mit dem von Anfang zwangsläufig scheitern müssenden Kampf Lenins gegen das Krebsgeschwür des Bürokratismus in allen Organen der Gesellschaft. Weil er seinen substitutionalistischen Zentralismus nicht in Frage stellen konnte, musste er ständig an seinen wirkungslosen und idiotischen Massnahmen, wie Erhöhung der ZK-Mitglieder von 20 auf 45, Schaffung des Arbeiter- und Bauerninspektorats und dann der Kontollkommission etc.etc. herumdoktern.
    Und dann habe ich noch des Langen und Breiten die Zusammenhänge und Folgen all des gesagten mit der heiligen Kuh des Leninismus – dem so genannten demokratischen Zentralismus – aufzuzeigen versucht. Der Zusammenhang des theoretischen Fundaments der drei Säulen mit der Theorie und Praxis des demokratischen Zentralismus. Wie der demokratische Zentralismus Lenins dem bürgerlichen Demokratieverständnis entspricht wie er in seinem innersten Kern roh, primitiv antisozialistisch ist, weil er völlig einseitig die Rechte der Mehrheit begünstigt und die Rechte der Minderheiten viel zu stark einschränkt, weil er keine regionalen Rücksichten kennt, weil er keine ethisch fundierten Ausnahmemöglichkeiten erwägt und weil er Minderheiten über längere Phasen zwischen den Kongressen tendenziell vergewaltigt, sie in extremer Weise zwingt gegen ihre Überzeugung zu handeln, weil er keine Konsensmöglichkeiten in gewissen Fragen erwägt und weil er typischerweise nur die Entscheidungs- und Abstimmungsmechanismen betrachtet und keine dialektischen Verknüpfungen mit der Qualität des Diskussionsprozesses davor herstellt. Und wie gesagt, all dies wurde untermauert mit Dutzenden von anschaulichen, relevanten und konkreten Beispielen. Keiner von euch Leninisten ist sachlich und inhaltlich auf das ganze Faktenmaterial eingegangen, keiner konnte mir bis zur Stunde nachweisen, dass entweder Fakten oder deren Interpretationen falsch sind. Und weil euch offenbar die Argumente fehlen müsst ihr von den wesentlichen Fragen ausweichen auf sekundäre und tertiäre Fragen (angeblicher Historikerstreit thematisieren anstatt auf Faktenmaterial eingehen oder gegen den Geschichtsdeterminismus feuern, anstatt auf Phänomen des IWW eingehen) Des Weiteren müsst ihr eure Argumentationsleere kompensieren durch bösartige Verdrehungen der Positionen des Diskussionskontrahenten z.B. indem du mir bereits mehrfach unterjubeln willst, dass ich die Personen, deren privater Lebenswandel und Biographie angriffe. Dabei ist sonnenklar, wenn ich von Lenin rede, meine ich nicht die Privatperson von Lenin, sondern den Vorsitzenden der Volkskommissare und Chef einer Partei an der Macht und wenn ich von Sinowjew rede meine ich den Präsidenten der mit grossen Machtbefugnissen ausgestatteten 3. Kommunistischen Internationale. Und erst im Zusammenhang mit ihrer Machtposition dürfen und müssen wir auch ethisches und moralisches Verhalten dieser Personen in ihrer Funktion betrachten und politisch gewichten. Dies als „ kleinbürgerlichen Psychologismus“ abzutun, wie das bereits in der 68er Linken von den Maostalinisten und den Ultratrotzkisten massenweise und bei jeder Gelegenheit getan worden war – lehne ich entschieden ab.

    Nun aber ist klar – linke Dogmatiker sind ebenso wie religiöse Menschen gegen Fakten. Logik und Rationalität gewissermassen immun. Linkes Dogma definiere ich als das Absondern von Theoriekonstrukten oder historischen Begebenheiten, die nicht mehr der kritischen Hinterfragung bedürfen. Sie werden zu Glaubenssätzen oder Glaubenbekenntnissen an denen jede beliebige Menge von Fakten, rationalen Argumenten und Logik abprallen wie Wasser an Fett. Ein ziemlich zuverlässiges Erkennungsmerkmal der linken Dogmatiker ist ihre unbeirrbare scholastische Zitierfreudigkeit. Wie der Pfaffe an allen Beerdigungen, Hochzeiten und Geburten seine Bibelzitate herunterleiert, so leiert der linke Dogmatiker seine Lenin- und Marxzitate herunter. Die Macht der Tradition und Gewohnheit ist so gross, dass die Betreffenden die Groteskheit ihrer Darbietungen nicht mehr wahrnehmen.

    2. Immer wieder fällt in deinen Texten eine schon fast verächtlich wirkende Geringschätzung von Fragen der Glaubwürdigkeit und Ethik auf. Auch dies ist ein sehr typisches Merkmal des orthodoxen und dogmatischen Leninismus. Das PROGRAMM IST ALLES, die Dialektik von Programm und den Methoden seiner Umsetzung, die Kohärenz, die charakterliche Zuverlässigkeit und Standhaftigkeit, der Mut und die Risikobereitschaft, die Ethik, die soziale Kompetenz, die Übereinstimmung von gepredigter Philosophie und Taten der Partei als Kollektiv sind zweitrangig, kaum der Rede wert und eigentlich nur psychologistisches Zeugs.
    Ich halte diese Elemente, die ich unter dem Stichwort Glaubwürdigkeit zusammenfasse für POLITISCH MINDESTENS SO WICHTIG UND FÜR DEN GESCHICHTLICHEN VERLAUF MINDESTENS SO ENTSCHEIDEND WIE DIE KORREKTHEIT DES THEORETISCHEN PROGRAMMS.
    Das Kollektiv der revolutionären SozialistenInnen stellt hohe Ansprüche an die Menschen, die sie als revolutionäre Subjekte ansprechen und deshalb wird zu Recht von ihm auch ein hohes Mass an Autentiziät und Glaubwürdigkeit abverlangt. Die nun schon fast hundertjährigen grausigen Erfahrungen mit dem Stalinismus und dem sozialdemokratischen Reformismus können die politische Bedeutung der Glaubwürdigkeit nur noch erhöht haben.

    3. Du behauptest, dass meine Charakterisierung von Sinowjew „direkt dem Wortschatz der Anklageschriften der Moskauer Prozesse entsprungen sei.“ Diese deine Behauptung belegt nur, dass du die Protokolle der Moskauer Prozesse noch nie gelesen hast und in Sachen Geschichtskenntnisse der Sowjetunion ein totaler Ignorant bist. Für jedes der Wörter mit denen ich den Präsidenten der 3. Internationale charakterisiere, kann ich dir ein Dutzend konkreter Beispiele liefern. Da wären z.B. die Lügen, Verleumdungen und Drohungen Sinowjews gegen die Petrograder Streikbewegungen von 1921 und 1923, der Kronstädter von 1921 mit der widerlegten Geschichte vom weissen General et.etc., der putschartigen Intrigen gegen Paul Levi dem Nachfolger Rosa Luxemburgs als Vorsitzender der KPD 1921, den Intrigen und putschartigen Manövern gegen die Gründergeneration der französischen KP um Souverine und Co. in den Jahren 1924/25, die über Nacht von hochgeschätzten Mitgliedern des Politbüros zu Kleinbürgern und Liebedienern der französischen Bourgeoisie wurden, da wären noch all die Dutzenden von Lügen, Intrigen, skrupellosen Verleumdungen, Drohungen und Pusche gegen Trotzki und seine Anhänger in den Jahren 1923-1925, die er ja zum Teil sogar vor dem ZK und den Kongressdelegierten gestanden hat. Und wenn wir dann diese Dutzenden und Hunderten von Untaten des Präsidenten einer revolutionären Masseninternationale betrachten, dann dürfen wir sehr wohl sagen, das war ein kranker und skrupelloser Fanatiker.

    —–

    DGS_TaP sagt:
    2. August 2012 um 13:52
    1.

    “Du bist wohl blind und taub zugleich”

    “an seinen wirkungslosen und idiotischen Massnahmen […] herumdoktern”

    “des Weiteren müsst ihr eure Argumentationsleere kompensieren durch bösartige Verdrehungen”

    “Immer wieder fällt in deinen Texten eine schon fast verächtlich wirkende Geringschätzung […] auf.”

    “dass du […] in Sachen Geschichtskenntnisse der Sowjetunion ein totaler Ignorant bist”

    “dürfen wir sehr wohl sagen, das war ein kranker und skrupelloser Fanatiker.”

    Auch auf diese Ebene wirst Du mich nicht ziehen.

    2.

    “habe ich anhand von 40-50 politisch relevanter konkreter Beispiele, d.h. anhand von historischen Fakten, deren Korrektheit eindeutig und wissenschaftlich abgesichert sind,”

    Und das ohne jede Quellenangabe – sei es von Lenin-Texten, sei es aus Texten seiner ZeitgenossInnen, sei aus heutiger Sekundärliteratur… wow – tolle Beweisführung, und unheimlich kontrollierbar (kritisch nachprüfbar)!

    Aber klar: Zitieren ist Scholastik:

    “Ein ziemlich zuverlässiges Erkennungsmerkmal der linken Dogmatiker ist ihre unbeirrbare scholastische Zitierfreudigkeit.”

    3.

    “Lenin war ständig besorgt, dass die Massen die falschen Entscheidungen treffen könnten”

    Ja, bin ich auch. Auch die Massen haben nicht immer Recht – und in Deutschland sogar ziemlich selten.

    4.

    “zuerst lag die Macht im 20 köpfigen Zentralkomitee, dann im 5 köpfigen Politbüro und dann im mit totalitären Befugnissen ausgestatteten Generalsekretariats. Und weil Lenin nicht nur den Massen in den Sowjets misstraute” etc. etc.

    Nee, nicht deshalb, sondern weil ein BürgerInnenkrieg und ein Krieg gegen imperialistische Intervention geführt werden mußte, der unter der ArbeiterInnenklasse und den KommunistInnen einen hohen Blutzoll forderte; weil sich die Hoffnung auf ein Überspringen der Revolution auf den Westen nicht erfüllte; und weil auch Lenin keine fertigen und vollständigen Antworten auf diese und andere Schwierigkeiten hatte.

    Ja, und?! – Widerlegt das eine einzige der von mir hier und anderswo zustimmend angeführten Thesen von Lenin????

    5.

    “Fraktionsverbot in der Partei”

    “heiligen Kuh des Leninismus – dem so genannten demokratischen Zentralismus –”

    Ja, und?! Das Fraktionsverbot war eine situationsbedingte Entscheidung, die in der Situation richtig oder falsch gewesen sein mag. – Was hat sie mit dem NaO-Prozeß zu tun? KeineR schlägt für diesen ein Fraktionsverbot vor!

    Was habe ich denn zum “demokratischen Zentralismus” gesagt? Etwas, was mir seitens systemcrashs den Vorwurf einer “kleinbürgerlich-menschewistischen haltung” einbrachte… –

    Da Du das Thema anschneidest, und es dadurch Aktualität erlangt, werde ich als nächstes meinen Vorschlag für die Ausformulierung des Essentials, das bisher “(gewisse) Verbindlichkeit” hieß, posten. – Dann läßt sich die Frage des “demokratischen Zentralismus” etwas gegenwarts-, zukunfts- und NaO-prozeß-bezogener und bezogen auf die tatsächlich zur Debatte stehenden Vorschläge (und nicht in Bezug auf Pappkameraden, die augenscheinlich bloß aufgebaut werden, um sie umhauen zu können), diskutieren.

    6.

    “Und wie gesagt, all dies wurde untermauert mit Dutzenden von anschaulichen, relevanten und konkreten Beispielen. Keiner von euch Leninisten ist sachlich und inhaltlich auf das ganze Faktenmaterial eingegangen”

    Eine Bewertung + ein Beispiel (oder auch 1.000 Beispiele) für das Bewertete macht noch keinen Beweis und keine Argumentation.

    7.

    Geringschätzung von Fragen der Glaubwürdigkeit und Ethik

    Ich sage nicht, daß RevolutionärInnen anders handeln als reden (und so ihre “Glaubwürdigkeit” auf Spiel setzen) sollen.

    Ich sage vielmehr, daß eine theoretische Position nicht dadurch widerlegt wird, daß eine Person, die die Position ausspricht, sich in der politischen Praxis nicht an ihre eigene Einsicht hält.

    Und im übrigen: Ja, Glaubwürdigkeit spielt eine Rolle; aber erst kommt die Richtigkeit und dann und in Bezug darauf Glaubwürdigkeit! (“Glaubwürdigkeit” ohne Richtigkeit ist PR – bürgerlicher PolitikerInnen-Jargon!)

    Ja, aber in der Tat: Ich bin der Ansicht, daß der Zweck das Mittel ‘heiligt’ (und das also zuerst die Frage des richtigen oder falschen Zwecks und dann erst die Frage der passenden oder unpassenden Mittel diskutiert werden muß) – und daß etwas, was der Zweckerreichung entgegenwirkt (z.B. der Stalinismus dem Kommunismus) zu unterlassen ist. – Okay, wenn das jetzt ‘unethisch’ ist, bin ich gerne unethisch.

    —–

    E 5: Vom Netzwerk zum revolutionären Bündnis zur revolutionären Organisation [vormals: „(gewisse) Verbindlichkeit“] « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! – Debatte zur Neugruppierung der radikalen Linken sagt:
    2. August 2012 um 14:27
    […] Tino aus Anlaß des ‘Lenin-Textes’ des SIB die Frage des “demokratischen […]

    —–

    Tino P. sagt:
    2. August 2012 um 16:26
    1.
    Konstruktive Diskussionskultur ist dadurch charakterisiert, dass man auf die Inhalte, Beispiele und Argumentationsketten des Kontrahenten eingeht und versucht sie mit Argumenten zu widerlegen. Das machst du systematisch NICHT, zumindest auf dem heiklen Gebiet des strategischen Demokratie- Sozialismus-Leninismus- Komplexes.
    Beispiel: Ich sage das Lenin ein tiefes und chronisches Misstrauen gegen die Massen hatte und immer besorgt war, dass diese die falschen Entscheidungen treffen könnten. Diese Eigenart bringe ich über mehrere Zwischenschritte in Verbindung mit dem Phänomen des leninistischen Substitutionalismus und Ultrazentralismus. DGS antwortet darauf: Auch die Massen haben nicht immer Recht. Punkt, Fertig. Niemand hat gesagt, dass die Massen immer Recht hätten, um diese oberbanale Feststellung geht es überhaupt nicht, sondern um die Frage des Zusammenhangs dieses Misstrauens mit dem leninistischen Organisationsmodell und dessen Verhältnis zu den Massenorganisationen.
    Solche Beispiele SYSTEMATISCHEN NICHT-EINTRETENS auf die politische Kontroverse gibt es etwa 15 Stück allein in den obigen zwei Artikeln von DGS.

    2.
    DGS spielt sich hier im Blog als Saubermann auf, der sich durch seine Kontrahenten nicht auf primitive, niedrig polemische Ebenen herunterziehen lässt wie er das sinngemäss schon mehrmals geschrieben hat und bleibt in der Wortwahl immer geartet. Das wäre ja eigentlich eine gute Sache, wenn er nicht, dieser Schlaumeier, mit den fiesen Tricks der psychologischen Kriegsführung durch Insinuation arbeiten würde.
    Beispiel: Auf meine Charakterisierung von Sinowjew als Präsident der Kommunistischen Internationale schreibt DGS sie würde direkt dem Wortschatz der Anklageschriften der Moskauer Prozesse entstammen. Nun stehen die Moskauer Prozesse als weltberühmtes Symbol für Stalin, Willkür, extreme Grausamkeit und absurde Falschanschuldigungen (die Altbolschewiki als Agenten Hitlers etc.etc.) Indem DGS also sagt sein Kontrahent würde exakt gleich wie die Moskauer Prozesse reden, übertragen sich die symbolischen Bedeutungen auf den Kontrahenten. Ist anerkannte Psychologie und Kriegsreporter lernen solches Zeugs. Mit solchen Insinuationen arbeiten ist eigentlich viel schlimmer als jemandem einmal sagen er sei ein Ignorant oder Arsch. Aber zu allermindest sollte man sich dann wenigsten nicht als edlen Saubermann darstellen.

    —–

    DGS_TaP sagt:
    2. August 2012 um 18:45
    Lieber Tino,

    “Diese Eigenart bringe ich über mehrere Zwischenschritte in Verbindung mit dem Phänomen des leninistischen Substitutionalismus und Ultrazentralismus.”

    habe ich von Lenin etwas Substutionalistisches und Ultrazentralistisches zustimmend zitiert?

    Falls Du meinst “ja”, dann nenne doch bitte diese Stellen, lege dar, warum Du diese Stellen in diesem Sinne interpretierst, und warum Du im konkreten Fall Substitutionalismus und Ultrazentralismus falsch findest.

    Oder anders gesagt:

    Beschäftige Dich doch bitte (und meinetwegen so kritisch und polemisch, wie Du willst) mit dem, was ich insb.

    – dort: Was spricht eigentlich gegen Lenins Parteitheorie?

    – dort: E 5: Vom Netzwerk zum revolutionären Bündnis zur revolutionären Organisation [vormals: „(gewisse) Verbindlichkeit“]

    – und dort: Zehn Punkte, über die wir diskutieren sollten, Abschnitte 9.c) Nicht-klandestin oder halb-klandestin und d) Inner-organisatorische Demokratie

    zu dem “Organisationsmodell” einer NaO der subjektiven RevolutionärInnen in der BRD am Anfang des 21. Jahrhunderts geschrieben habe,

    statt mir irgendein – von Dir oder wem auch immer so klassifiziertes – “leninistischen Organisationsmodell” unterzuschieben.

    —–

    Eine NaO muß KEINE leninistische Organisation sein! – 7 ganz kurze Anmerkungen und 5 noch kürzere Fragen « Neue antikapitalistische Organisation? Na endlich! – Debatte zur Neugruppierung der radikalen Linken sagt:
    3. August 2012 um 09:33
    […] Dies von meiner Seite aus zu dem – Tino sehr wichtigen – Thema „Glaubwürdigkeit“ (vgl. Abschnitt 7.)! […]

    ——

    DGS_TaP sagt:
    3.

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