Vorüberlegungen für ein programatisches Manifest des NAO Prozesses

obgleich ich nach wie vor annehme, dass der entwicklungsstand im NAO prozess die erstellung eines manifests inhaltlich eigentlich nicht anraten lässt, gehe ich davon aus, dass so ein manifest von der mehrheit im prozess stark gewünscht wird.

da es bislang ausser den überlegungungen von Klaus und den beiden kommentaren von DGS 6. September 2012 um 11:03] und systemcrash [6. September 2012 um 11:33] zu diesem thema nichts weiter gibt1, „Vorüberlegungen für ein programatisches Manifest des NAO Prozesses“ weiterlesen

  1. auch der artikel des gen. Schilwa geht nicht INHALTLICH auf das manifest-projekt ein, sondern hält nur eine “parallele arbeitsweise” von essentialdebatte und manifesterstellung für möglich. WIE er sich das KONKRET vorstellt, sagt er aber auch nicht. []

“Übersetzen” ohne “Übersetzungsfehler” – zur Debatte um die NAO-Essentials

Auf der NAO-Sommerdebatte (und auch schon vorher) herrschte ja große Einigkeit, dass wir die „5 Essentials“ konkretisieren, besser formulieren, sozusagen „übersetzen“ müssen, damit auch Nicht-Politprofis verstehen, was wir wollen.
Und in der Tat:
„Einheitsfront von unten oder von oben“ – das verstehen in ganz Deutschland nur ein paar hundert Menschen.
Georgias “Übersetzungsversuch“ (‚Entwurf für eine Erklärung über die theoretisch-strategischen Grundlagen des NAO-Prozesses’) bringt uns da m. E. ein großes Stück weiter (ich komme gleich darauf zurück).

Zunächst aber zum Verhältnis von „Essential-Debatte“ und „Manifest-Debatte“. „“Übersetzen” ohne “Übersetzungsfehler” – zur Debatte um die NAO-Essentials“ weiterlesen

Gemeinsam und organisiert – für den Kommunismus, für die Anarchie!

Meinem Eingangs-Statement bei der Veranstaltung Wege und Ziele – Kommunismus oder Anarchismus? der autonomen neuköllner antifa (ana) am vergangenen Donnerstag lag das folgende Skript zugrunde. Einen Audio-Mitschnitt der gesamten Veranstaltung gibt es bei Soundcloud; einen Mitschnitt der Veranstaltung in der vorhergehenden Woche mit den InterKomms zum Thema Klassenkampf Über Sinn und Unsinn eines politischen Konzepts gibt es ebenfalls bei Soundcloud.
Morgen [Das heißt inzwischen: Heute (Do., d 27.9.)] findet die nächste Veranstaltung der Reihe statt:

Zur Kritik an Deutschland – antinationale und antideutsche Theorie
Donnerstag 27.09.12 // 19h // k-fetisch (Wildenbruchstraße 86, Nähe U-Bhf. Rathaus Neukölln)

Ob am 09. November, dem 03. Oktober oder dem Jahrestag der rassistischen Pogrome von Rostock-Lichtenhagen: Stets stellt sich die Frage nach der richtigen Einordnung der deutschen Nation im Kontext der allgemeinen Entwicklung bürgerlicher Gesellschaften. Während zuletzt antinationalen Erklärungsversuchen eine ökonomistische Herangehensweise vorgeworfen wurde, kranken antideutsche Erklärungen laut ihrer Kritiker vor allem an einer zu starren Fixierung auf scheinbar unveränderbare Ideologietraditionen. Die Veranstaltung will dem Publikum die Argumente beider Seiten dieses Streits vor Augen führen und nach den Möglichkeiten und Grenzen eines Zusammendenkens antinationaler und antideutscher Positionen fragen.
Referent_innen: …nevergoinghome., Emanzipative Antifaschistische Gruppe (Berlin), Theorie Organisation Praxis B3rlin

 

Wie schon bei der Anmoderation gesagt wurde, bin ich Mitglied der Sozialistischen Initiative Berlin (SIB). Die SIB gibt es seit Anfang 2011. Wir arbeiten in verschiedenen Berliner Bündnissen sowohl mit antiimperialistisch als auch mit anti-national orientierten Gruppen zusammen. So waren wir z.B. Teil der Berliner M 31-Vernetzung, haben uns an der Vorbereitung der diesjährigen revolutionären 1. Mai-Demonstration beteiligt und arbeiten im Berliner Krisenbündnis mit. Gegründet wurde die SIB aber nicht wegen bestimmter thematischer Schwerpunkte bei der Bündnisarbeit, sondern um einen Vorschlag für eine breite linke Debatte über den eventuellen Aufbau einer neuen antikapitalistischen Organisation der subjektiven RevolutionärInnen zu unterbreiten.

Was das Thema des heutigen Abends anbelangt, so muß ich gestehen, daß ich die anarchistischen KlassikerInnen kaum gelesen habe. Was die kommunistischen KlassikerInnen anbelangt, bin ich nicht ganz so unbeleckt – auch wenn sich mein Grüppchen aus irgendeinem Grund, den ich nicht kenne (ich gehöre nicht zu den Gründungsmitgliedern) nicht „kommunistisch“, sondern „sozialistisch“ nennt.

Ich werde im folgenden also in erster Linie aus der Perspektive der politischen Praxis und nicht der theoretischen Praxis sprechen. Ich habe die Einladung zu der Veranstaltung heute Abend gerne angenommen, da ich in der Organisierungsdebatte, die die SIB angestoßen hat, zu denjenigen gehöre, die sagen: Wenn es um eine gemeinsame Organisation von Linken mit revolutionärem Anspruch geht, dann müssen auch AnarchistInnen dabei sein; dann kann es nicht nur eine Organisation von MarxistInnen und halb-marxistischen Autonomen und Antiimps werden. Entsprechend plural müßte eine solche Organisation also in programmatischer Hinsicht und was die inner-organisatorische Demokratie (mit Minderheiten- und Fraktionsbildungsrechten) anbelangt werden.

Wenn wir nun zu den in der Einladung zum heutigen Abend vorgegebenen Stichwörter kommen: Inhalte, Strategien und Ziele, so würde sagen:

was das bzw. die Ziele anbelangt: Anarchie und Kommunismus sind zwei Namen für das gleiche Ziel – eine Gesellschaft ohne Staat und zumindest ohne Klassen. Auch wenn es eine ausdrückliche Strömung des Anarchafeminismus gibt, so würde ich – ungeachtet meiner Unbelesenheit – doch die These wagen: Historisch sind im Durchschnitts-Anarchismus das Geschlechterverhältnis und der Rassismus nicht weniger ‚blinde Flecken’ als sie es im Durchschnitts-Kommunismus sind. Aber: Wenn der Anarchismus eine herrschaftslose Gesellschaft ist und wenn der Kommunismus etwas Gemeinsames ist – also eine Gesellschaft, in der Unterschiede von Herrschenden und Beherrschten ebenfalls überwunden ist – müssen – dies ernstgenommenen – Anarchismus und Kommunismus Gesellschaften sein, in der auch patriarchale und rassistische Herrschaft überwunden sind.

Was nun die Strategien angeht, so sind die Unterschiede zwischen AnarchistInnen und KommunistInnen schon größer:

Da ist zum einen die leidige Frage der Übergangsgesellschaft und des sozialistischen Staates. Wenn ich recht sehe, würden die AnarchistInnen – abgesehen von den gewaltfreien – zwar der maoistischen These zustimmen, daß eine Revolution keine dinner party ist, daß also durchaus mit handgreiflichem Widerstand von KonterrevolutionärInnen zu rechnen ist, der gebrochen werden muß.
Die Differenz scheint mir darin zu liegen, daß AnarchistInnen denken, daß dies allein durch gesellschaftliche Selbstorganisation ‚von unten’, ohne staats-ähnliche institutionelle ‚Stützpunkte’ gelingen kann.
KommunistInnen sagen dagegen – jedenfalls, wenn sie, wie ich, LeninstInnen sind, – daß es dafür eines sozialistischen Halb-Staates bedarf, der an seinem eigenen Absterben arbeitet. Das ist, klar, eine ziemlich heikle Frage: Denn die historisch bekannten – jedenfalls nach ihrem Selbstverständnis – sozialistischen Staaten waren ziemlich bockig, was ihr eigenes Absterben anbelangt.

Hier haben KommunistInnen also noch einige Hausaufgaben zu erledigen, wenn es nach einer nächsten Revolution mit dem Absterben des Staates besser klappen soll.

Was nun allerdings die Organisierungsdebatte, an der ich beteiligt bin, betrifft, so würde ich sagen: Wir sind in der BRD sooo weit von einer Revolution entfernt, daß unterschiedliche Vorstellungen, was nach einer Revolution passieren soll, kein Hindernis sein müssen, daß sich AnarchistInnen und KommunistInnen in den nächsten Jahrzehnten in einer gemeinsamen, pluralen revolutionären Struktur organisieren.

Das mit der gemeinsamen Organisierung wird allerdings dann schwierig, falls für einige Individual-AnarchistInnen allein schon jedwede Organisierung; falls allein schon das Treffen von Absprachen mit anderen GenossInnen, und diese nicht je nach spontaner Eingebung wieder umzuwerfen, ein unziemlicher Eingriff in die individuelle Freiheit ist.
In der Organisierungsdebatte, an der ich beteiligte bin, ist jedenfalls klar, daß es in der Organisation, die wir eventuell gründen wollen, eine „(gewisse) Verbindlichkeit“ geben soll. Was „gewisse“ heißt, ist allerdings schon weitaus weniger klar…

Klar ist immerhin – wie bereits gesagt –, daß es innerhalb der Organisation ein Recht zur Bildung von Tendenzen und Strömungen geben soll.
Und diejenigen, die sich bisher zu dieser Frage geäußert haben, sind sich inzwischen auch einig, daß nicht das Prinzip herrschen soll, daß Kritik nur ‚nach innen’ geäußert werden darf, ‚nach außen’ aber Einheit vorzutäuschen sei. Vielmehr sollen die Mitglieder und Strömungen autonom entscheiden können, mit welchem Dissens zur Mehrheitsmeinung in der Organisation sie an die Öffentlichkeit treten und ob sie sich an der Umsetzung von Mehrheitsbeschlüssen beteiligen. Die Kehrseite davon ist allerdings, daß – genauso, wie Minderheiten und Einzelne jederzeit austreten können – auch die Mehrheit sagen können muß, daß sie bei einem bestimmten Ausmaß von Dissens keinen Sinn mehr in einer gemeinsamen Organisation sieht – also im Extremfall die Minderheit ausschließt.

Und wichtig ist – wie gesagt –, sich an die eigenen Zusagen zu halten. Wir kommen – hoffentlich – alle immer wieder zu besseren Einsichten, als wir sie gestern noch hatten. Aber diese besseren Einsichten sollten dann auch mitgeteilt werden, bevor ihnen entsprechend gehandelt wird. Wenn wir also heute beschließen, morgen um 6:30 h das Rote Rathaus zu besetzen und die Hälfte uns stellt dann den Wecker nicht, weil sie doch lieber ausschlafen wollen, dann ist das nicht revolutionäre Praxis, sondern subjektivistisches Larifari.

Bleibt noch die Frage, um was für eine Organisation es sich handeln soll bzw. die Frage des Anarchosyndikalismus. Wenn ich recht sehe, sind die AnarchosyndikalistInnen die am wenigsten organisationsfeindlich AnarchistInnen – sie sind also für ‚uns LeninistInnen’ die Lieblings-AnarchistInnen…

Das Problem ist allerdings: AnarchosyndikalistInnen plädieren üblicherweise, wenn recht sehe, für eine gewerkschaftlich-politische Mischorganisation, während ‚wir LeninistInnen’ eine politische Organisation der RevolutionärInnen für notwendig halten, die zwar nicht getrennt, aber unterschieden ist von einer (bloß) klassenkämpferischen Gewerkschaftspraxis.

Mit großem Interesse habe ich daher und haben die anderen SIB-Mitglieder daher vor kurzem ein Papier der Basisgruppe Antifa, der Bremer Gruppe des kommunistisch-antinationalen Ums Ganze-Bündnisses gelesen. Dort hieß es: „Dieses Strategiepapier ist ein Plädoyer für die Bildung einer strategischen Doppelflanke: Syndikalistische Gewerkschaften auf der einen, Strukturen von Alternativ- und Gegengesellschaft auf der anderen Seite. Beide vermittelt zueinander über kommunistische (Selbst-)Organisierungen als strategisches Zentrum in Form von Theorie und Praxis, kollektiver Debatte und Reflexion. Dies, vermittelt nach ‚außen’ in Form von Agitation und Propaganda.“

Das wäre ein ‚Modell’, auf dessen Grundlage ich sofort zu gemeinsamer politischer Organisierung mit AnarchosyndikalistInnen bereit wäre: Wir bauen gemeinsam ein strategisches Zentrum, das in kollektiver Debatte und Reflexion für theoretische und politische Praxis ‚zuständig’ ist, auf – ein strategisches Zentrum, das reflektiert und artikuliert, daß es letztlich nicht nur um Betriebskampf hier und Betriebskampf da und auch nicht nur um vermeintlich richtige Alternativgesellschaft in der falschen mainstream-Gesellschaft geht, sondern um das Ganze bzw. – wie Lenin sagte – um den Bruch mit dem „gesamten gegenwärtigen politischen und sozialen System“.
Und wenn sich GenossInnen dieser politischen Struktur, bspw. weil es in ihrem Betrieb keine FAU-Gruppe (was ja noch recht häufig vorkommen soll ;-) ), aber eine kämpferische DGB- oder GdL-Gewerkschaftsgruppe gibt, bei letzterer organisieren, dann muß das aber auch in Ordnung sein.

In diesem Sinne: Gemeinsam und organisiert – für den Kommunismus, für die Anarchie!

Quelle:
http://web.archive.org/web/20121105073128/http://www.nao-prozess.de:80/blog/gemeinsam-und-organisiert-fuer-den-kommunismus-fuer-die-anarchie/

|Jetzt mit Aufruf-Texten: Sa., den 29.9. – 11:30 Uhr – Berlin, Potsdamer Platz – Antikapitalistischer Block auf der umFAIRteilen-Demo|

Die SIB ruft zusammen mit anderen Berliner Gruppen zu einem Antikapitalistischen Block bei der UmFAIRteilungs-Demo am 29.9. in Berlin auf.

++ Berliner Aufruf-Text und AufruferInnen

++ Bundesweiter Aufruf von am NaO-Prozeß beteiligten Gruppen (Achtung! – jetzt auch als .pdf-Datei)

++ Hamburger Aufruf der Anarchistischen Gruppe / RätekommunistInnen (AG/R) [23. September 2012 um 18:51. Anm. d. Red.]

Quellen:
Für Seite 1 und die Kommentare zum gesamten Artikel: aus einer 05.08.2013 mit dem Programm WebHTTrack Wibsite Copier erstellten – leider unvollständigen – Kopie der Seite nao-prozess.de in ihrem damaligen Zustand.
Für Seite 2: fehlt.
Für Seite 3: http://www.scharf-links.de/47.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=28410&cHash=41a8323013.

Mit Argumenten oder mit Forderungen überzeugen? – Zur Kritik der trotzkistischen “Übergangsforderungs”-Didaktik

Im Rahmen des NaO-Prozesses wurde bisher zweimal anhand konkreter Beispiele über das Aufstellen von Forderungen (an den Staat und/oder das Kapital) diskutiert:
– Das erste Mal ging es um die Richtigkeit einer Fokussierung auf die Forderung nach Bankenenteignung. Diese Diskussion blieb damals unentschieden.
– Das zweite Mal ging es um den Charakter und den Umfang des Spiegelstrich-Katalogs in dem Flugi von sechs am NaO-Prozeß beteiligten Gruppen zu den gestrigen UmFAIRteilung-Demos.
Der Spielstrichkatalog ist am Ende sehr umfangreich geraten, aber es blieb dabei, daß er nicht Forderungskatalog genannt, sondern wie folgt eingeleitet wurde:

“Dafür werden wir uns in den Mobilisierungen der nächsten Zeit stark machen für:
Als Maßnahmen zur Abschwächung der Konkurrenz unter den Lohnabhängigen und für die Verbesserung unserer Lebens- und Kampfbedingungen sowie als erste Schritte zu einer Überwindung von Konkurrenzzwängen und Profitlogik setzen uns ein für:”

Damit sollte zumindest nach Ansicht von einigen UnterzeichnerInnen zum Ausdruck gebracht werden, daß die sechs NaO-Grüppchen nicht dem Größenwahnsinn erlegen sind, es würde Sinn haben, wenn sie die Realiserung des nachfolgenden Spiegelstrichkatalogs von deutschem Staat und deutschem Kapital “fordern” würden. Vielmehr wurde der Spiegelstrichkatalog von einigen UnterzeichnerInnen als Vorschlag an breitere Bewegungen für eine Verständigung über gemeinsame Mobilisierungsschwerpunkte verstanden.

systemcrash schreibt nun in einem noch nicht freigeschalteten Kommentar: Es müsse

“darum gehen, an reale bewegungen und forderungen anzuknüpfen (wie z b die umFAIRteilen demo) und diese auf die system- oder MACHTfrage zuzuspitzen; mit sog. ‘übergangsforderungen’: also forderungen, die an unmittelbaren bedürfnissen ansetzen, aber in ihrer logik ÜBER das system hinausführen.”

Genau das ist m.E. Gradualismus. systemcrash macht dagegen geltend:

“hier [Bei dg] haben wir die klassische zweiteilung von minimal- und maximalprogramm: hier die ‘realistischen reformforderungen’, dort die ‘revolutionären sonntagsreden’.”

systemcrash hält das Konzept der Übergangsforderungen also für radikaler als eine Unterscheidung zwischen Minimal- und Maximalprogramm. Das ist dann zutreffend, wenn das Maximalprogramm tatsächlich nur die Sonntagsrede ist. Das ist aber gerade mein Vorschlag nicht.
Mein Vorschlag ist vielmehr, daß das Maximalprorgamm und die revolutionäre Strategie zu seiner Durchsetzung auch in heutigen Alltagskämpfen thematisiert werden müssen.

Für die RevolutionärInnen selbst gilt: Wenn sie nicht wissen, welches Ziel sie anstreben, hat es auch keinen Sinn, daß sie nach einem Weg zu dessen Erreichung suchen.
Und in Bezug auf die noch nicht revolutionären Massen gilt: Von einem Ziel, das nicht benannt wird und für das nicht argumentiert wird, können diese Massen auch nicht überzeugt werden; und der Vorschlag, einen bestimmten Weg zu gehen, ist nicht plausibel, wenn nicht auch gesagt wird, zu welchem Ziel er führen soll.

Mein zentraler Kritikpunkt an dem, was ich mir erlauben möchte, mal etwas despektierlich ‘trotzkistischer Forderungs-Fetischismus’ zu nennen, lautet nun: TrotzkistInnen verstecken das letztliche Ziel – das, worum unser leninistischer Kampf Ums Ganze letztlich geht – hinter ihren didaktischen Übergangsforderungen.

Um diese Kritik noch ein bißchen genauer zu erläutern, veröffentliche ich hier zwei bisher unveröffentlichte Papiere:

1. Einige Anmerkungen und Rückfragen zu Jakobs Sommer-Debatten-Papier für den Workshop “Von den Tageskämpfen zum revolutionären Bruch”

2. Ein Papier, das ich bereits im März bei dem bundesweiten Treffen von am Nao-Prozeß beteiligten Gruppen in Duisburg vorgelegt hatte: “Zwei Einwände gegen das ins Zentrumrücken der Forderung nach Banken-Enteignung und zwei Einwände gegen die Aktualität des Konzeptes der ‘Übergangsforderungen’”.

Text 1.

Text 2.

Quellen:
Für Seite 1 und die Kommentare zum gesamten Artikel: aus einer 04.08.2013 mit dem Programm WebHTTrack Wibsite Copier erstellte – leider unvollständigen – Kopie der Seite nao-prozess.de in ihrem damaligen Zustand.
Für Seite 2: Eigene Orginal-Datei.
Für Seite 3: Eigene Orginal-Datei.

Noch einmal zum Verhältnis von Interventionistischer Linken (IL) und NaO-Prozeß

Micha Schilwa schrieb gestern u.a.:

“Auf der Sommerdebatte gab es verschiedene Vorschläge, den geplanten NAO-Kongress im Frühjahr breiter oder sogar sehr viel breiter anzulegen.

Ich finde, wir sollten zwei Dinge unterscheiden: „Noch einmal zum Verhältnis von Interventionistischer Linken (IL) und NaO-Prozeß“ weiterlesen

Diskussionsfragen an Um’s-Ganze-Gruppen

Im Rahmen der NaO-Diskussion über den Begriff des “revoltutionären Subjektes” wurde ich gebeten, den Teil über die Kritik an dem Begriff von Seiten des autonomen/antideutschen Spektrums nochmal in Kurzform zu veröffentlichen. Ich hoffe, dass sich mit Menschen, die sich angesprochen fühlen, eine interessante Diskussion zustande kommt.

Der vollständige Text wurde hier veröffentlicht:
http://www.nao-prozess.de/blog/zur-frage-des-revolutionaeren-subjektes/

Linus, 11.09.2012

 

(…)
Kritik aus autonomen und antideutschen Zusammenhängen

Wenn mit dem Begriff „potentiell revolutionäres Subjekt“ ausgedrückt werden soll, dass es heute eben nicht so ist, dass die Mehrzahl der Individuen innerhalb der ArbeiterInnenklasse revolutionär eingestellt ist, gibt es mit dem Begriff kein Problem. Vermutlich ist dieser Fakt gemeint, wenn eine Vielzahl aus autonomen Zusammenhängen/Hintergründen Kommende und auch Menschen im NaO-Prozess, diesen Begriff kritisieren.

Es gibt von Seiten mancher (autonomer) Linken aber auch noch eine andere Richtung, in die die Kritik an diesem Begriff geht. Und dabei meine ich nicht solche, die den Begriff „Klasse“ insbesondere „ArbeiterInnenklasse“/„Arbeiterklasse“ ablehnen. [Randbemerkung: Es gibt sogar einige, die sich weigern „ArbeiterInnenklasse“ zu gendern, weil sie so auf dessen historische Überholtheit aufmerksam machen wollen – was natürlich eine absolute Sackgasse darstellt.] Die Kritik geht in die Richtung, als LinkeR Vorbedingungen zu stellen, die erfüllt sein müssen, damit der Kampf von ArbeiterInnen (eigentlich kommt heraus „Individuen“) als revolutionär anerkannt wird (und also dann auch unterstützt). Die Vorbedingungen können sein: die Menschen dürften keine sexistischen, rassistischen, homophoben, transphoben, nationalistischen, chauvinistischen oder spezizistischen usw. Ansichten während des Kampfes äußern. Für manche Linke sind Kämpfe ja nicht mal dann unterstützenwert, bzw. gerade deshalb nicht, weil es sich dabei um reine Lohnforderungen handelt und nicht – „ums Ganze“ gekämpft wird. Für uns sind Streiks um mehr Lohn natürlich auch nicht revolutionär, aber doch unterstützenswert. Denn neben den konkreten Forderungen, die die Lebensverhältnisse der Klasse (oder Teile) verbessern, tragen sie doch immer das Potential das Klassenbewusstsein zu heben und damit der Revolution ein Stückchen näher zu kommen.

Ich habe den Begriff „ums Ganze“ nicht zufällig gewählt, denn diese Art von Kritik kommt vermehrt aus dem antideutschen Spektrum. In meiner Stadt musste ich mir schon ein ums andere Mal anhören, dass der deutsche Volkskörper, einmal in Rage, doch zum Faschismus neigt und daher eine Revolution hierzulande abgelehnt würde. Das ist natürliche eine Extrem-Position. Abstufungen in allen Gradienten sind mir bekannt.

Wird mit der Kritik an dem Begriff „revolutionäres Subjekt“ also der gerade skizzierte Sachverhalt gemeint, sollten wir das natürlich zurückweisen. Solch eine Haltung ist absolut sektiererisch und führt – im besten Fall – zu gar nichts.

Sollten wir also in die Debatte mit Ums-Ganze-Gruppen einsteigen, bin ich gespannt darauf, wie sich die Debatte entwickeln wird und wie sich die Positionen dahingehend verschoben haben. Aber wie gesagt, die Antideutschen sind ja auch nicht die einzigen, die ähnlich argumentieren. Der Zenit der Antideutschen ist ja nicht nur in meinem Ort schon ein paar Jahre her, daher könnte es interessant werden.

(…)

Weiterlesen:
http://www.nao-prozess.de/blog/zur-frage-des-revolutionaeren-subjektes/

Quelle:
Der Text wurde ursprünglich unter der Adresse http://www.nao-prozess.de/blog/diskussionsfragen-an-ums-ganze-gruppen/ veröffentlicht; am 04.05.2016 war er noch im Google-Cache gespeichert, von woher er hierher übernommen wurde.

Nach der Sommerdebatte ist vor dem nächsten mutigen Schritt – Zu Tempo, Form, Breite und Praxis des NAO-Prozesses

Diese Wortmeldung ist eine (etwas ausführlichere) Verschriftlichung meines Beitrages auf dem Schlussplenum der Sommerdebatte.

TEMPO

Der NAO-Prozess wandelt auf einem recht schmalen Grat.

Einerseits besteht die Gefahr des „closed shops“ bzw. dass auch nur dieser Eindruck entsteht.

Real ist beim NAO-Prozess natürlich fast gar nichts fix oder „closed“, die „5 Eckpunkte“ sind nicht mehr als „grobe Leitplanken“, aber eben auch nicht weniger.

Entscheidend ist aber nicht, wie wir uns selber wahrnehmen, sondern wie wir von außen gesehen werden.

Jedem Eindruck, hier ginge es nur noch darum, einem „fertigen“ Projekt beizutreten oder nicht, müssen wir hartnäckig widersprechen – jede(r) „Neue“ kann Grundlagen, Charakter und „Gesicht“ einer künftigen NAO mitprägen.

 

Auf der anderen Seite „Nach der Sommerdebatte ist vor dem nächsten mutigen Schritt – Zu Tempo, Form, Breite und Praxis des NAO-Prozesses“ weiterlesen

Einige erste Gedanken zur Entwicklung eines programmatischen Manifestes (Wir wollen ja schließlich vorwärts kommen)

Einige erste Gedanken zur Entwicklung eines programmatischen Manifestes (Wir wollen ja schließlich vorwärts kommen)

1. Zur Sprache:

Auch wenn es problematisch erscheinen mag, mit dem Formalen zu beginnen, so fängt doch ein solches Manifest mit – Sprache – an. Und es gibt auch eine Dialektik zwischen Form und Inhalt, und die ist nicht zu vernachlässigen.
Deshalb einige Anregungen hierzu: „Einige erste Gedanken zur Entwicklung eines programmatischen Manifestes (Wir wollen ja schließlich vorwärts kommen)“ weiterlesen