Einige erste Gedanken zur Entwicklung eines programmatischen Manifestes (Wir wollen ja schließlich vorwärts kommen)

Einige erste Gedanken zur Entwicklung eines programmatischen Manifestes (Wir wollen ja schließlich vorwärts kommen)

1. Zur Sprache:

Auch wenn es problematisch erscheinen mag, mit dem Formalen zu beginnen, so fängt doch ein solches Manifest mit – Sprache – an. Und es gibt auch eine Dialektik zwischen Form und Inhalt, und die ist nicht zu vernachlässigen.
Deshalb einige Anregungen hierzu: Wir sollten Traditionalismen vermeiden, wo möglich (die Begriffe „Wert“ und „Profit“ z.B. werden sich nicht vermeiden lassen). Und wir sollten den Schwerpunkt sprachlich auf Manifest, und nicht auf Programm, legen. Also keine Paragraphen, bitte, allerhöchstens knackige Zwischenüberschriften.

Beispiele für den Beginn (nur Beispiele, notabene, kein Vorschlag):

„Ein Gespenst geht um in Europa und der Welt. Die Systemfrage. Die Frage, die sich die Indignados ebenso stellen, wie die Arbeitslosen in Griechenland, die hunderttausende demonstrierenden StudentInnen in Chile oder die rebellierenden Massen in der arabischen Welt: Gibt es nicht doch ein besseres Leben jenseits des Kapitalismus?……“

oder

„Wir haben es satt! Wir haben sie satt, die neue Mobilität, die Zeitverträge, die Lohndrückerei, die Profitmacherei bei ehemals öffentlichen Leistungen. Wir haben es satt, wie der Mensch samt Einzelteilen wie auch die gesamte Natur zur Ware gemacht, dabei zerstört und meistbietend verhökert werden. Wir haben es satt, wie uns eingeredet wird, der Kapitalismus sei das „Ende der Geschichte“ und die beste aller denkbaren Lösungen. Wir sehen jeden Tag…..“

2. Zu den Dingen, die hineingehören (Stoffsammlung ohne Anspruch auf Vollständigkeit), zur Reihenfolge s. weiter unten)

Gender/Geschlechterfrage
Demokratie/Selbstorganisation
Kurzer Abriss zur kapitalistischen Ökonomie
Klassenfrage
Umweltkrise und Klimawandel
Bedürfnisse und Gleichheit
Reform oder Revolution
Vision

3. Zum Aufbau (erster grober Vorschlag)

Im Sinne der og. Beispiele sollte der Beginn, also die Einleitung, einen Parforceritt durch die Stoffsammlung respektive Gliederung zum Einstieg bieten.

Dann käme in möglichst eleganter Form ein kurzer Exkurs zur Funktionsweise der kap. Ökonomie und ihrer politischen und sozialen Folgen.
Damit kämen dann logischerweise nebeneinander oder nacheinander die Deskription der Klassen- und Genderfrage betreffend die Unterdrückungsverhältnisse.
Ökologie als Ilustration der Zerstörungsgewalt des Systems und als Beleg für die unmittelbare Dringlichkeit des Systemwandels schlösse sich an.
Logischerweise käme dann die Frage der Bedürfnisse.
Und dann die Vision einschließlich Gleichheit mit logischer Begründung.
Schließlich der Aufruf zur Phantasie mit ein paar mehr oder weniger konkreten Zukunftsvisionen.

4. Zur Arbeitsweise

Wir sollten bei der Erarbeitung den notwendigen Anspruch, nämlich den der Kollektivität, einlösen. Dazu sollten wir abklären, ob zur Operationalisierung der oben skizzierten einzelnen Bestandteile sich jeweils ein paar GenossInnen, die sich jeweils speziell auskennen, zusammentun.
Ausserdem brauchen wir Vorgaben für die volumenmässige Gewichtung der einzelnen Bestandteile und selbstverständlich eine Einigung über die endgültige Gliederung.
Schreiben sollte es dann der mit der besten Schreibe. Wir können aber auch ein Preisausschreiben machen……

Quelle:
Der Text wurde ursprünglich unter der Adresse http://www.nao-prozess.de/blog/einige-erste-gedanken-zur-entwicklung-eines-programmatischen-manifestes-wir-wollen-ja-schliesslich-vorwaerts-kommen/; am 05.06.2016 war er noch im Google-Cache gespeichert, von woher er hierher übernommen wurde.

Ein Gedanke zu „Einige erste Gedanken zur Entwicklung eines programmatischen Manifestes (Wir wollen ja schließlich vorwärts kommen)“

  1. Unter dem Artikel erschienen damals die folgenden vier Kommentare:

    Ein ‘Programmatisches Manifest’ für die NAO ? « WAS TUN: PLATTFORM FÜR MARXISTISCHE KONVERGENZ sagt:
    6. September 2012 um 10:38

    […] ein “programmatisches Manifest” zu schreiben. es liegen dafür von Klaus auch bereits formale, sprachliche und inhaltliche Anregungen vor. auf diese möchte ich hier kurz […]

    —–

    DGS_TaP sagt:
    6. September 2012 um 11:03
    Vorbemerkung:

    1. Worum geht’s eigentlich?

    a) Vielleicht sollte zunächst – für die LeserInnen, die nicht bei der NaO-Sommer-Debatte waren – erklärt werden, daß während der Sommer-Debatte bei mehreren GenossInnen die Idee aufkam, demnächst – zusätzlich zu der Ausformulierung der Essentials – so etwas wie ein Programmatisches Manifest zu beschließen.

    b) Ich bin im Grundsatz mit diesem Vorschlag einverstanden, hatte ich doch schon im Juni vergangenen Jahres vorgeschlagen:

    “Verabschiedung einer Gründungserklärung begrenzten Umfangs (ca. 10 [?] Seiten); Beginn einer umfassenden ‚Programm’diskussion erst, wenn die Strukturen der Organisation arbeitsfähig sind und sich der Mitgliederbestand konsolidiert hat (Abwarten von Neueintritten in der ersten Zeit nach der Gründung).”
    Zehn Punkte, über die wir diskutieren sollten. Noch einmal zum Thema Neue Antikapitalistische / Revolutionäre Organisation, in: trend 6/2011

    Nur hinsichtlich der Zeitschiene habe ich (weiterhin) etwas andere Vorstellungen. Selbst, wenn ein solches Manifest nicht erst bei eventueller Organisationsgründung beschlossen werden sollte:

    aa) Wie die bisherige magere Beteiligung der Gruppen an der Essential-Diskussion zeigt, würde eine Parallel-Diskussion von Essentials und Manifest die existierenden Arbeitskapazitäten völlig überfordern.

    bb) Eine solche Paralleldiskussion würde darüber hinaus auch noch völlig unnötige Doppelarbeit bedeuten: Anhand zweier unterschiedlicher Texte/Textgattungen müßten parellel z.T. die gleichen inhaltlichen Diskussionen geführt werden.

    cc) Sinnvoller erscheint mir daher: Zuerst die Ausformulierung der Essentials zu beschließen und dann erst – über ein erstes brain storming hinaus – ernsthaft mit der Manifest-Diskussion zu beginnen. Denn je nachdem, ob die Essentials mehr so oder so (mehr oder weniger revolutionär; mehr oder weniger traditionalistisch oder ‘[post]modern’) ausfallen, müßte auch der Tonfall des ganzen Manifestes ein anderer sein; und einzelne konkrete Formulierungen müßten ohnehin unterschiedlich sein. – Also bitte auch in dieser Frage: eins nach dem anderen. “Seriosität vor Tempo” (“Na endlich”-Papier)!

    —–

    Zum Inhaltlichen:

    2. Zur Sprache

    “Wir sollten Traditionalismen vermeiden, wo möglich (die Begriffe ‘Wert’ und ‘Profit’ z.B. werden sich nicht vermeiden lassen).”

    Ja, volle Zustimmung: Keine “historische Mission”; kein “Proletariat”, auch keine “Arbeiterklasse”, sondern “Lohnabhängige”; kein “Chauvinismus”, keine “Frauenfrage”, sondern “Patriarchat”, “Rassismus” und “Geschlechterverhältnis”; keine ‘Dialektik’ ‘die Produktivkräfte sprengen die Produktionsverhältnisse‘; keine “Weltanschauung”; kein “falsches Bewußtsein” usw.

    3. Zu den Vorschlägen für den Anfang

    Variante 1 finde ich ganz okay; Variante 2 nicht. – Aber auch zu Variante 1 habe ich ein paar Bedenken:

    a) Wir sollten es aber auch nicht mit dem sprachlichen Modernismus übertreiben: Politische Phänomene wie die Indignados, die in einem halben Jahr niemandE mehr kennt, sollten da nicht rein. – Und das Buhlen um deren Sympathie können wir eh nur gegen die IL verlieren.
    Ich würde also sagen: Weder ML-Pathos; noch Sponti-Pathos. Aber im Zweifelsfall lieber ein bißchen zuviel Sponti-Pathos als zuviel ML-Pathos.

    b) Die Indignados stellen nicht im strengen Sinne die Systemfrage und haben auch keinen adäquaten Begriff von Kapitalismus. Das müßte daher m.E. auch insoweit anders formuliert werden,

    und dann sollte daher c) sogleich die Passage zur “Funktionsweise der kap. Ökonomie und ihre[n] politischen und sozialen Folgen” anschließen. Hier hätten dann u.a. vielleicht der “Wert” (aber im marxschen und nicht im moralischen Sinne!), auf alle Fälle der Mehrwert und der Profit (letzterer wiederum nicht im Sinne von ‘unmoralisch hoher Gewinn’, sondern im Sinne der marxschen Kritik der Politischen Ökonomie), die Lohnarbeit (d.h. die Warenförmigkeit der Arbeitskraft – im Unterschied zu feudaler Fronarbeit und antiker Sklavenarbeit), die Warenförmigkeit der Rohstoffe und Produkte, die Konkurrenzzwänge usw. präzise Erwähnung zu finden. –

    Das heißt: Unsere Begriffe von Kapitalismus und Antikapitalismus sind elaborierte Begriffe von Kapitalismus und Antikapitalismus; keine Polemik gegen Gier, Geiz und Spekulation [http://naoprozessdoku.blogsport.eu/files/2016/07/5_anti-thesen_final-trenn.pdf, S. 53, 55-57]; keine Unterscheidung von ‘gutem’ (Klein-, produktivem etc.) und ‘bösem’ (‘Monopol-‘, ‘Finanz-‘ etc.) Kapital! Unsere Kampfansage gilt dem Lohnarbeits-Kapital-Verhältnis als Ganzem. Auch wir kämpfen Ums Ganze. Nicht für den “geschniegelten” (Lenin), sondern für gar keinen Kapitalismus.

    4. Klassenherrschaft und -ausbeutung ist nicht alles!

    “Damit kämen dann logischerweise nebeneinander oder nacheinander die Deskription der Klassen- und Genderfrage betreffend die Unterdrückungsverhältnisse.
    Ökologie als Ilustration der Zerstörungsgewalt des Systems und als Beleg für die unmittelbare Dringlichkeit des Systemwandels schlösse sich an.”

    Einverstanden. – Auch insoweit geht unser Kampf Ums Ganze!

    5. Visionen / Gleichheit

    “Und dann die Vision einschließlich Gleichheit mit logischer Begründung.”

    Ausnahmsweise nicht einverstanden. Von “Visionen” halte ich genauso wenig, wie Helmut Schmidt von ihnen hält. Und von “Gleichheit” halte ich genauso wenig, wie Marx und Lenin von ihr hielten.

    —–

    systemcrash sagt:
    6. September 2012 um 11:33
    Ein ‘Programmatisches Manifest’ für die NAO ?

    auf der sommerdebatte wurde der “beschluss” gefasst, für die NAO ein “programmatisches Manifest” zu schreiben. es liegen dafür von Klaus auch bereits formale, sprachliche und inhaltliche Anregungen vor. auf diese möchte ich hier kurz eingehen.

    ich denke, was die formalen und sprachlichen anregungen betrifft, dürfte grosse einigkeit bestehen; wobei man so etwas besser diskutieren kann, wenn bereits ein entwurf vorliegt. bei der inhaltlichen gliederung sehe ich etwas mehr probleme:

    “[1] Gender/Geschlechterfrage
    [2] Demokratie/Selbstorganisation
    [3] Kurzer Abriss zur kapitalistischen Ökonomie
    [4] Klassenfrage
    [5] Umweltkrise und Klimawandel
    [ 6] Bedürfnisse und Gleichheit
    [7] Reform oder Revolution
    [8] Vision”

    punkt [1] und punkt [4] sind zur zeit heftige streitthemen in der öffentlichen (blog)essentialdebatte, wo auch von seiten des RSB bislang nicht viel kam (jedenfalls nicht öffentlich).

    die ANDEREN punkte sind bislang im NAO prozess schlicht und ergreifend NICHT DISKUTIERT worden. ich würde es als erhebliches problem ansehen, ein “programmatisches Manifest” zu veröffentlichen, was nicht inhaltlich über die NAO gruppendiskussion getragen wird.

    angesichts der tatsache, dass die essential debatte bereits seit ca 1,5 jahren läuft und immer noch nicht allgemeiner “NAO konsens” ist, finde ich es — gelinde gesagt — sehr gewagt, ein solches “Manifest” inhaltlich SO WEIT zu projektieren.

    meines erachtens dürfte ein solches “manifest” INHALTLICH nicht über den stand der essential-debatte hinausgehen, wenn es nicht zu grösseren “internen” querelen kommen soll. wenn wirklich ein weitergehendes konzept für das “Manifest” gewünscht wird, müsste man mindestens eine genauso intensinve vordiskussion haben wie bei den essentials.

    ob DAS wirklich eine realistische vorstellung ist (auch angesichts der tatsache, dass alle von der sommerdebatte kaputt sind ), mag jeder für sich selbst entscheiden.

    natürlich ist mir klar, dass die ‘miniparteien’ (RSB und GAM z b) über eine grössere programmatische kohärenz verfügen als die mehr netzwerkartigen (z b SIB und SOKO). dies darf aber nicht dazu führen, dass sie diesen “vorsprung” den anderen quasi überstülpen, ohne dass es dabei wirklich zu tragfähigen annäherungen (durch diskussionen) kommt.

    http://systemcrash.wordpress.com/2012/09/06/ein-programmatisches-manifest-fur-die-nao/

    —–

    Vorüberlegungen für ein programatisches Manifest des NAO Prozesses « WAS TUN: PLATTFORM FÜR MARXISTISCHE KONVERGENZ sagt:
    29. September 2012 um 22:01

    […] es bislang ausser den überlegungungen von Klaus und den beiden kommentaren von DGS und systemcrash zu diesem thema nichts weiter gibt*), versuche ich mich mal daran, eine art […]

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