Anmerkungen zur Debatte über den „revolutionären Bruch“

Es wird einige Genosssinnen und Genossen erstaunen, daß ich nach einer bereits so lange geführten Debatte zu einem der Essentials des naO-Prozesses immer noch Diskussionsbedarf sehe. Wieso? Weil nach meinem Dafürhalten die Diskussion bislang zu wenig historisch-materialistisch und zu eklektisch geführt wird.

Der Formulierungsvorschlag von DGS im Reader zur naO-Sommerdebatte veranlaßte mich dann, einen Alternativvorschlag zu machen.

DGS ungenügender Ansatz:

A. Voreilige Zuspitzung auf die Frage der politischen Macht
Die große Schwäche des Formulierungsvorschlages von DGS ist erstens die a-priori-Zuspitzung der Diskussion auf die Frage der politischen Macht, der Staats- und Gewaltfrage. Damit gerät die sozioökonomische Funktion des kapitalistischen Staates aus dem Blick. DGS spricht abstrakt von den „Vorteilen“, auf die „die herrschenden Klassen“ nicht freiwillig verzichten. Das ist so vage, daß nicht einmal ein Bezug nur zur kapitalistischen Klassengesellschaft erkennbar ist. Die Vorliebe von DGS für abstrakte Formulierungen, die nicht nur allgemein auf Klassenverhältnisse, sondern auch „auf andere Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse übertragen werden kann“ ( so DGS am 28.6.12), ist keine marxistische Vorliebe. Ohne Bezug auf die kapitalistischen Spezifika nähern wir uns schlicht Allgemeinplätzen wie „Der Mensch ist schlecht“.

B. Verwirrung in der Klassenfrage
Die „Freiwilligkeit“ dann noch in Bezug zu setzen mit „der herrschenden rassifizierten Gruppe (Rasse) –der Weißen- und der herrschenden sexuierten Gruppe („Geschlecht“) –der Männer-„ und dabei ebenfalls von „revolutionären Brüchen zur Überwindung von Herrschaft und Ausbeutung“ zu sprechen, ist dann leider nur noch bezeichnend. „Anmerkungen zur Debatte über den „revolutionären Bruch““ weiterlesen