Feministische Politik in revolutionären Zusammenhängen

Hier nun noch dokumentiert der Beitrag von [pæris] zum Roten Abend der Internationalen KommunistInnen am 5.12.2012

Der Kampf gegen das Geschlechterverhältnis ist ein wichtiges Thema für eine antikapitalistische Organisation, schon allein deshalb, weil man für eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft sehr viele sein muss. Eine revolutionäre Organisation kann es sich also gar nicht leisten, einfach zu ignorieren, woran mindestens die Hälfte der Menschen in dieser Gesellschaft leiden. Es wäre ja drollig, wenn weiße männliche Lohnanhängige ihre Interessen versuchen als gesellschaftliches Allgemeininteresse darzustellen und sich wundern würden, dass sie damit ziemlich unter sich bleiben. Da es der Zweck einer revolutionären Organisation ist, die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse zu kritisieren und alternative Möglichkeiten der Vergesellschaftung vorzuschlagen und zu propagieren, gehört es selbstverständlich dazu, die gesellschaftlich hervorgebrachten Schrecklichkeiten möglichst umfassend in den Blick zu nehmen.

Das haben inzwischen die meisten linken Gruppen und Organisationen eingesehen. Mindestens pro forma steht in jedem Grundsatzpapier, dass es freilich nicht nur das Kapital zu bekämpfen gilt, sondern ebenso Rassismus und das Patriarchat, sowie andere – meist nicht weiter spezifizierte – Herrschaftsverhältnisse. Die Frage ist, was das im Konkreten heißt, welchen Stellenwert das hat und was für eine Art der Praxis sich daraus ergibt. „Feministische Politik in revolutionären Zusammenhängen“ weiterlesen

Wieso die Bekämpfung von Sexismus für eine Antikapitalistische Organisation keine Zusatzaufgabe sondern eine Notwendigkeit ist

Dass der Kapitalismus nicht mehr ernsthafte Empörung hervor ruft liegt neben dem Mangel an vorstellbaren Alternativen auch daran, dass (fast) alles konkrete Leiden, was Menschen erfahren immer schon als quasi „logische“ Folge“ ihrer Zugehörigkeit zu dieser und jener Gruppe erscheint, und dass die weltweite Arbeitsteilung zwischen den Menschen (fast) nie als eine zwischen Menschen in den Blick kommt. Das betrifft nicht nur die vergeschlechtlichte Arbeitsteilung, sondern auch die internationale ebenso wie die Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Gruppen von Lohnarbeitenden eines Landes.
Es schreiben bei NaO fast alle, die Spaltungen innerhalb der Klasse der Lohnabhängigen verfestigen die kapitalistische Herrschaft. Gemeint scheint damit jedoch v.a. die Trennung im Kampf zu sein. Wenn alle zusammen streiken würden (egal ob Mann, Frau, Schwarz, Weiß, lohnarbeitend, Rentnerin, arbeitslos) und sich auf eine gemeinsame Perspektive der Absicherung ihrer Lebensbedingungen verständigen würden, dann könnte gemeinsam eine andere Art der Vergesellschaftung erkämpft werden. Das stimmt auch.
M.E. geht die Spaltung aber viel tiefer und weiter als die zwischen gegensätzlichen Interessen, die sich aus z.B. unterschiedlichen Vertragsverhältnissen innerhalb eines Unternehmens ergeben oder zwischen auf der einen Seite (noch) beschäftigten, die höhere Löhne und Absicherung ihrer Beschäftigung wollen, und andererseits arbeitslosen, die überhaupt (irgend-)einen Lohn wollen, und damit tendentiell in Konflikt kommen mit bestimmten gewerkschaftlichen Kämpfen.
Vielmehr ist das Denken in verschiedenen Kategorien von Menschen schon das Problem, und der Grund, warum die ernsthafte Solidarisierung so zäh vorangeht.
Leiharbeiterinnen sind dafür kein gutes Beispiel, weil diese Kategorie – noch – einen sehr schwachen Grad von Essentialisierung enthält. Leiharbeit (sowie andere als „irregulär“ geltende Beschäftigung) wird – noch – als unterschiedliche Arbeitsbedingung wahrgenommen, wo es vielleicht sogar Empörung hervorruft, dass die Kollegin anders bezahlt und anders behandelt wird, da sie (qua Auslagerung) nicht „richtig“ zur Belegschaft gehört.
Bei als Frauen bezeichneten Menschen ist das schon anders. Diese Kategorie wird sehr wohl von den meisten als essentielle wahrgenommen. Man „ist“ eine Frau, und wird nicht nur so behandelt. „Wieso die Bekämpfung von Sexismus für eine Antikapitalistische Organisation keine Zusatzaufgabe sondern eine Notwendigkeit ist“ weiterlesen