Gemeinsame Organisierung? – Ja! Aber wie?

Ob im arabischen Frühling, ob in Südeuropa oder in Brasilien:
Dort, wo sich soziale und politische Auseinandersetzungen zuspitzen, stellt sich für eine wachsende Zahl von Aktiven die Frage nach der politischen Organisierung.

Genau genommen sind die Aktiven dabei mit einer ganzen Reihe verschiedener Fragen konfrontiert.

Diese unterscheiden sich zwar in ihrer konkreten Ausformung von Land zu Land, aber einige wesentliche Lehren können doch mit einem gewissen Anspruch auf Allgemeingültigkeit formuliert werden. Wir können und wollen hier keinen umfassenden Überblick erstellen, aber bezogen auf die Bundesrepublik möchten wir einige Erkenntnisse anführen und in Erinnerung rufen, auch weil wir in einem ganz bescheidenen Maß eigene Erfahrungen einbringen, auf deren Verarbeitung (bzw. Berücksichtigung) wir nicht so gerne verzichten wollen.

Ausgangspunkte für die Frage der politischen Organisierung

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Welche NaO? oder – Was sollten wir in und mit dem NaO-Prozess anstreben?

Vorbemerkung: Zurzeit wird von VertreterInnen der am NaO-Prozess beteiligten Organisationen vor allem via Mail-Verteiler über den „revolutionären Bruch“, die Charakterisierung von „antikapitalistisch“ versus „revolutionär“ usw. diskutiert. Das meiste von den hektisch dargelegten Positionierungen, Anwürfen, Verdächtigungen usw. wird uns nicht weiterbringen, unter anderem auch, weil die Flut der täglichen Mails uns von unserer politischen Arbeit vor Ort abzuhalten droht. Mensch muss nicht alles und jede Kurz-Mail kommentieren, nur aus Angst, die anderen könnten das eigene Schweigen als Zustimmung zu einer vermeintlich falschen Position interpretieren.
Unser Beitrag ist nur in unserem eigenen Namen geschrieben, entspricht aber in der generellen Linie der allgemeinen Positionierung des RSB in den hier aufgeworfenen Fragen, als da sind: Was ist der anzustrebende Charakter der NaO? Was können wir, was sollten wir als revolutionär bezeichnen? An wen richtet sich unser Projekt? Was können und was sollten die nächsten Schritte sein?

1. Wo steht die Linke in Deutschland und wo stehen wir in dieser Linken?

Es besteht sicherlich keine Differenz in der Bewertung des insgesamt sehr niedrigen Klassenkampfniveaus in der BRD, jedenfalls verglichen mit den Kämpfen, über die sich unsere „KlassikerInnen“ extensiv ausgelassen haben, und die bewusst oder unbewusst bei vielen unserer politischen Bewertungen als Maßstab mitschwingen. Das wird sich auch bei der zu erwartenden (bzw. auch zu befürchtenden) Zuspitzung der Krise nicht so schnell ändern. Schauen wir nämlich nach Griechenland, dann müssen wir bei nüchterner Betrachtung feststellen, dass selbst dort – also nach mindestens 3 Jahren verschärfter Krise – keine größere revolutionäre Strömung auf der Matte steht. Der Prozess der Rekonstruktion revolutionärer klassenkämpferischer, wirklich sozialistischer (oder auch anarchistischer) Strömungen, die im Klassenkampf ein gewisses Gewicht haben, ist offenbar sehr komplex, langwierig und nicht am grünen Tisch zu beschließen oder umzusetzen. „Welche NaO? oder – Was sollten wir in und mit dem NaO-Prozess anstreben?“ weiterlesen

Diskussionsfragen an Um’s-Ganze-Gruppen

Im Rahmen der NaO-Diskussion über den Begriff des “revoltutionären Subjektes” wurde ich gebeten, den Teil über die Kritik an dem Begriff von Seiten des autonomen/antideutschen Spektrums nochmal in Kurzform zu veröffentlichen. Ich hoffe, dass sich mit Menschen, die sich angesprochen fühlen, eine interessante Diskussion zustande kommt.

Der vollständige Text wurde hier veröffentlicht:
http://www.nao-prozess.de/blog/zur-frage-des-revolutionaeren-subjektes/

Linus, 11.09.2012

 

(…)
Kritik aus autonomen und antideutschen Zusammenhängen

Wenn mit dem Begriff „potentiell revolutionäres Subjekt“ ausgedrückt werden soll, dass es heute eben nicht so ist, dass die Mehrzahl der Individuen innerhalb der ArbeiterInnenklasse revolutionär eingestellt ist, gibt es mit dem Begriff kein Problem. Vermutlich ist dieser Fakt gemeint, wenn eine Vielzahl aus autonomen Zusammenhängen/Hintergründen Kommende und auch Menschen im NaO-Prozess, diesen Begriff kritisieren.

Es gibt von Seiten mancher (autonomer) Linken aber auch noch eine andere Richtung, in die die Kritik an diesem Begriff geht. Und dabei meine ich nicht solche, die den Begriff „Klasse“ insbesondere „ArbeiterInnenklasse“/„Arbeiterklasse“ ablehnen. [Randbemerkung: Es gibt sogar einige, die sich weigern „ArbeiterInnenklasse“ zu gendern, weil sie so auf dessen historische Überholtheit aufmerksam machen wollen – was natürlich eine absolute Sackgasse darstellt.] Die Kritik geht in die Richtung, als LinkeR Vorbedingungen zu stellen, die erfüllt sein müssen, damit der Kampf von ArbeiterInnen (eigentlich kommt heraus „Individuen“) als revolutionär anerkannt wird (und also dann auch unterstützt). Die Vorbedingungen können sein: die Menschen dürften keine sexistischen, rassistischen, homophoben, transphoben, nationalistischen, chauvinistischen oder spezizistischen usw. Ansichten während des Kampfes äußern. Für manche Linke sind Kämpfe ja nicht mal dann unterstützenwert, bzw. gerade deshalb nicht, weil es sich dabei um reine Lohnforderungen handelt und nicht – „ums Ganze“ gekämpft wird. Für uns sind Streiks um mehr Lohn natürlich auch nicht revolutionär, aber doch unterstützenswert. Denn neben den konkreten Forderungen, die die Lebensverhältnisse der Klasse (oder Teile) verbessern, tragen sie doch immer das Potential das Klassenbewusstsein zu heben und damit der Revolution ein Stückchen näher zu kommen.

Ich habe den Begriff „ums Ganze“ nicht zufällig gewählt, denn diese Art von Kritik kommt vermehrt aus dem antideutschen Spektrum. In meiner Stadt musste ich mir schon ein ums andere Mal anhören, dass der deutsche Volkskörper, einmal in Rage, doch zum Faschismus neigt und daher eine Revolution hierzulande abgelehnt würde. Das ist natürliche eine Extrem-Position. Abstufungen in allen Gradienten sind mir bekannt.

Wird mit der Kritik an dem Begriff „revolutionäres Subjekt“ also der gerade skizzierte Sachverhalt gemeint, sollten wir das natürlich zurückweisen. Solch eine Haltung ist absolut sektiererisch und führt – im besten Fall – zu gar nichts.

Sollten wir also in die Debatte mit Ums-Ganze-Gruppen einsteigen, bin ich gespannt darauf, wie sich die Debatte entwickeln wird und wie sich die Positionen dahingehend verschoben haben. Aber wie gesagt, die Antideutschen sind ja auch nicht die einzigen, die ähnlich argumentieren. Der Zenit der Antideutschen ist ja nicht nur in meinem Ort schon ein paar Jahre her, daher könnte es interessant werden.

(…)

Weiterlesen:
http://www.nao-prozess.de/blog/zur-frage-des-revolutionaeren-subjektes/

Quelle:
Der Text wurde ursprünglich unter der Adresse http://www.nao-prozess.de/blog/diskussionsfragen-an-ums-ganze-gruppen/ veröffentlicht; am 04.05.2016 war er noch im Google-Cache gespeichert, von woher er hierher übernommen wurde.

Einige erste Gedanken zur Entwicklung eines programmatischen Manifestes (Wir wollen ja schließlich vorwärts kommen)

Einige erste Gedanken zur Entwicklung eines programmatischen Manifestes (Wir wollen ja schließlich vorwärts kommen)

1. Zur Sprache:

Auch wenn es problematisch erscheinen mag, mit dem Formalen zu beginnen, so fängt doch ein solches Manifest mit – Sprache – an. Und es gibt auch eine Dialektik zwischen Form und Inhalt, und die ist nicht zu vernachlässigen.
Deshalb einige Anregungen hierzu: „Einige erste Gedanken zur Entwicklung eines programmatischen Manifestes (Wir wollen ja schließlich vorwärts kommen)“ weiterlesen

RSB: Zum Prozess um eine „Neue Antikapitalistischen Organisation“

Beschluss der 18. Delegiertenkonferenz des RSB / IV. Internationale

[…] Aus Berlin kam ein Aufruf, erste Schritte zur Gründung einer revolutionären Organisation zu machen. Dort arbeiten im Berliner Antikrisenbündnis bereits seit Jahren alle relevanten bundesdeutschen linken Kräfte mit ihren örtlichen Ablegern – in Dimensionen der linken Szene gemessen – halbwegs erfolgreich zusammen. Den personellen Kern dieser Aufrufer­Innen stellten altgediente und erfahrene Aktivist­Innen der Szene, teilweise mit einem GIM1 -Hintergrund. Ihr Ausgangspunkt ist die Kritik an dem einzigen breit wahrnehmbaren Bündnis der radikalen Linken, der Interventionistischen Linken (IL), aus deren Umfeld erfolgreiche Kampagnen gegen Atomtransporte und dem G8-Gipfel gestartet wurden. Das Bündnis krankt aber an seinem ungeklärten Verhältnis zur Linkspartei, was sich besonders politisch dahin gehend auswirkt, dass auf revolutionäre Inhalte verzichtet wird bzw. diese nicht in vorderster Reihe vertreten werden. Die IL nimmt damit auch z. B. auf Attac und die Linkspartei Rücksicht, mit denen sie personell verwoben ist und auf die sie bei größeren Aktionen nicht verzichten möchte. Zweiter Ausgangspunkt des Aufrufes war, dass in Teilen der IL, besonders in der Gruppe Avanti vermehrt zur Organisationsfrage diskutiert wurde. […]
Der Prozess eines Aufbaus einer „Neuen Antikapitalistischen Organisation“ in Deutschland soll so lang wie nötig möglichst offen gehalten werden, um es eventuell dazu stoßenden Gruppen einfach zu machen, sich zu beteiligen. […] Spätestens seit Januar 2012 ist allerdings klar, dass ein Anwachsen der Kräfte, die sich in die Diskussion um die Gründung einer Neuen Antikapitalistischen Organisation (NAO) in Deutschland einschalten, eine lange Zeit benötigen und viel Kraft kosten wird. […] Es darf mittlerweile als sehr unwahrscheinlich gelten, dass wir 2013 bereits eine NAO in der einen oder anderen Form in Deutschland (mit)gründen werden, wie dies letztes Jahr noch am optimis­tischen Anfang der Diskussion von einigen erhofft wurde.
Unsere Aufgaben bezüglich des NAO Prozesses
Die Aufgabe des RSB bezüglich des Aufbaus einer NAO oder Ähnlichem liegt darin, sich erstens in den Diskussionsprozess zwischen den daran interessierten Gruppen inhaltlich einzubringen. Es hat sich gezeigt, dass gerade die Fragen, die bei uns undiskutiert und wenig beachtet sind, weil sie quasi zu unserem Einmaleins gehören, wie die Strategie der Übergangsforderungen, das Herangehen an Aktionseinheiten und die betriebliche Perspektive, Dinge sind, die wir positiv in den Prozess einbringen können. […]

Zweitens liegt unsere Aufgabe darin, im NAO-Prozess gemeinsame Aktionen vorzuschlagen, die die Beteiligten auf praktischer Ebene zusammenzubringen, sodass alle Beteiligten gemeinsame Erfahrungen machen und diese auswerten können. Nur wenn die NAO sowohl inhaltlich für die globale Krise des kapitalistischen Systems gewappnet ist, als auch praktisch auf der Höhe des notwendigen Klassenkampfes, wird sie anziehend wirken. Darüber hin­aus ergriffen wir die Initiative zur Beteiligung der NAO-Gruppen am Aktionstag des Antikrisenbündnisses im Mai 2012, die deshalb auf fruchtbaren Boden stieß, weil die Beteiligten seit Jahren in der sozialen Bewegung arbeiten. Auf örtlicher Ebene müssen wir versuchen, dort, wo es uns organisatorisch möglich ist, mit lokalen Kräften über die NAO-Initiative unter Wahrung unserer Selbstständigkeit ins Gespräch zu kommen.

[…] Wir haben in diesem Prozess an erster Stelle aber auch etwas zu lernen! Wir werden mit neuen Fragen und Ideen konfrontiert, die wir bisher nicht beachten brauchten oder gar nicht wahrgenommen haben. Zum Thema Rassismus oder Frauenunterdrückung haben sich außerhalb des Marxismus viel beachtete (weil die Realität treffend beschreibende) Theorien entwickelt, die sich lohnen, von einer revolutionären Organisation verarbeitet und aufgenommen zu werden. Nicht alle Unterdrückungsphänomene können mit marxistischer Theorie umfassend erklärt werden. Hier haben wir großen theoretischen Nachholbedarf – freilich ohne unser theoretisches Handwerkzeug über Bord zu werfen.
Wir sollten (falls es dazu kommt) die neue Aufmerksamkeit für unsere Organisation nutzen und versuchen, das Beste daraus zu machen, d. h. mit anderen Gruppen und Organisationen öffentlich über Inhalte und Aktionen zu diskutieren und uns zu öffnen, auch wenn wir teils erhebliche Differenzen mit ihnen haben. […] Der RSB hat ein Profil: Wir vertreten einen offenen, revolutionären Marxismus, wir sind unsektiererisch, treten für die Vereinigung der antikapitalistischen Linken auf einem klar revolutionären Programm ein und sind offen gegenüber aktuellen Fragen der Ökologie und der Frauenbefreiung. […]

Quelle:http://www.rsb4.de/content/view/4671/88/. – Vermutlich der gleiche Auszug erschien auch unter der Adresse http://www.nao-prozess.de/blog/rsb-zum-prozess-um-eine-neue-antikapitalistischen-organisation/.

  1. Gruppe Internationale Marxisten (GIM), früherer Name der Sektion der IV. Internationale in Deutschland, Vorläufer des RSB und der isl. []

Die Haltung der NaO zum Reformismus

Eine Erwiderung auf den Beitrag des Genossen Manuel Kellner (März 2012)

von Jakob (RSB), 18.4.2012

In seinem Beitrag „Neue revolutionäre Organisation und die Partei Die Linke geht Genosse Manuel (isl) auf die Ausführungen ein, mit denen der RSB im Mai letzten Jahres positiv auf den Aufruf zur Debatte seitens der SIB geantwortet hatte. Manuels Artikel hat das unzweifelhafte Verdienst, die unterschiedliche Herangehensweise zwischen isl und RSB an einigen zentralen Punkten zu benennen. Ich will diese Fragen mit einigen – so hoffe ich klärenden – Anmerkungen noch etwas deutlicher herausstellen, um so die Debatte zwischen den beiden Organisationen, wie auch innerhalb des Kreises der bisher am NaO-Prozess Beteiligten in konstruktiv klärender Weise voranzubringen.

Mit dem Etikett ‚reformistisch‘ ist wenig gesagt.“

Diese Zwischenüberschrift in Manuels Text ist eine seiner zentralen Ausführungen und darüber scheiden sich auch die Geister. „Die Haltung der NaO zum Reformismus“ weiterlesen