Diskussionsfragen an Um’s-Ganze-Gruppen

Im Rahmen der NaO-Diskussion über den Begriff des “revoltutionären Subjektes” wurde ich gebeten, den Teil über die Kritik an dem Begriff von Seiten des autonomen/antideutschen Spektrums nochmal in Kurzform zu veröffentlichen. Ich hoffe, dass sich mit Menschen, die sich angesprochen fühlen, eine interessante Diskussion zustande kommt.

Der vollständige Text wurde hier veröffentlicht:
http://www.nao-prozess.de/blog/zur-frage-des-revolutionaeren-subjektes/

Linus, 11.09.2012

 

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Kritik aus autonomen und antideutschen Zusammenhängen

Wenn mit dem Begriff „potentiell revolutionäres Subjekt“ ausgedrückt werden soll, dass es heute eben nicht so ist, dass die Mehrzahl der Individuen innerhalb der ArbeiterInnenklasse revolutionär eingestellt ist, gibt es mit dem Begriff kein Problem. Vermutlich ist dieser Fakt gemeint, wenn eine Vielzahl aus autonomen Zusammenhängen/Hintergründen Kommende und auch Menschen im NaO-Prozess, diesen Begriff kritisieren.

Es gibt von Seiten mancher (autonomer) Linken aber auch noch eine andere Richtung, in die die Kritik an diesem Begriff geht. Und dabei meine ich nicht solche, die den Begriff „Klasse“ insbesondere „ArbeiterInnenklasse“/„Arbeiterklasse“ ablehnen. [Randbemerkung: Es gibt sogar einige, die sich weigern „ArbeiterInnenklasse“ zu gendern, weil sie so auf dessen historische Überholtheit aufmerksam machen wollen – was natürlich eine absolute Sackgasse darstellt.] Die Kritik geht in die Richtung, als LinkeR Vorbedingungen zu stellen, die erfüllt sein müssen, damit der Kampf von ArbeiterInnen (eigentlich kommt heraus „Individuen“) als revolutionär anerkannt wird (und also dann auch unterstützt). Die Vorbedingungen können sein: die Menschen dürften keine sexistischen, rassistischen, homophoben, transphoben, nationalistischen, chauvinistischen oder spezizistischen usw. Ansichten während des Kampfes äußern. Für manche Linke sind Kämpfe ja nicht mal dann unterstützenwert, bzw. gerade deshalb nicht, weil es sich dabei um reine Lohnforderungen handelt und nicht – „ums Ganze“ gekämpft wird. Für uns sind Streiks um mehr Lohn natürlich auch nicht revolutionär, aber doch unterstützenswert. Denn neben den konkreten Forderungen, die die Lebensverhältnisse der Klasse (oder Teile) verbessern, tragen sie doch immer das Potential das Klassenbewusstsein zu heben und damit der Revolution ein Stückchen näher zu kommen.

Ich habe den Begriff „ums Ganze“ nicht zufällig gewählt, denn diese Art von Kritik kommt vermehrt aus dem antideutschen Spektrum. In meiner Stadt musste ich mir schon ein ums andere Mal anhören, dass der deutsche Volkskörper, einmal in Rage, doch zum Faschismus neigt und daher eine Revolution hierzulande abgelehnt würde. Das ist natürliche eine Extrem-Position. Abstufungen in allen Gradienten sind mir bekannt.

Wird mit der Kritik an dem Begriff „revolutionäres Subjekt“ also der gerade skizzierte Sachverhalt gemeint, sollten wir das natürlich zurückweisen. Solch eine Haltung ist absolut sektiererisch und führt – im besten Fall – zu gar nichts.

Sollten wir also in die Debatte mit Ums-Ganze-Gruppen einsteigen, bin ich gespannt darauf, wie sich die Debatte entwickeln wird und wie sich die Positionen dahingehend verschoben haben. Aber wie gesagt, die Antideutschen sind ja auch nicht die einzigen, die ähnlich argumentieren. Der Zenit der Antideutschen ist ja nicht nur in meinem Ort schon ein paar Jahre her, daher könnte es interessant werden.

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Quelle:
Der Text wurde ursprünglich unter der Adresse http://www.nao-prozess.de/blog/diskussionsfragen-an-ums-ganze-gruppen/ veröffentlicht; am 04.05.2016 war er noch im Google-Cache gespeichert, von woher er hierher übernommen wurde.