RSO: Überlegungen zu Umgruppierungen in der revolutionären Bewegung (Juni 2012)

In den meisten Ländern sind die revolutionären Kräfte heute auf eine Vielzahl von Organisation aufgeteilt. Diese Situation ist insgesamt sehr negativ. Mit unserem Text wollen wir einen Beitrag leisten zu den Debatten um Umgruppierungen, die es derzeit in einer Reihe von Ländern gibt.

1. Die Zersplitterung der revolutionären Kräfte und die Frage der Umgruppierung

In den meisten Ländern sind die revolutionären Kräfte heute auf eine Vielzahl von Organisation aufgeteilt. In einigen Ländern haben manche dieser Organisationen einen gewissen Einfluss in Teilen der ArbeiterInnenklasse oder/und der Jugend, dieser Einfluss ist aber sehr begrenzt. In anderen Ländern existieren alle Organisationen real fernab der Klassenkämpfe und haben keine Möglichkeit, auf sie Einfluss zu nehmen. Diese Situation ist insgesamt sehr negativ.
Wir verstehen die Zersplitterung der revolutionären Linken als enormen Mangel für die Beeinflussung oder Durchführung von politischen und sozialen Kämpfen. Wir denken, dass es die Schlagkraft von möglichst großen Organisationen benötigt, um der organisierten Macht des Kapitalismus die organisierte Macht der ArbeiterInnenklasse entgegenzusetzen – mit dem schlussendlichen Ziel des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft, erreicht durch eine sozialistische Revolution. Wir glauben, dass keine der heute existierenden Organisationen oder Strömungen dieses Ziel allein erreichen wird und kann, dass also Neugruppierungen und Fusionen eine der notwendigen Antworten auf die Schwäche der revolutionären Bewegung sind.
Diese Überlegungen, die wir mit vielen anderen Kräften teilen, führen zur Frage, wie diese Situation überwunden werden kann. „Umgruppierung“, also die Neuformierung der Kräfte der (revolutionären) Linken kann verschiedene Formen annehmen. Es kann breitere linke Formationen unter Einschluss von RevolutionärInnen geben. Es kann (Wahl-)Bündnisse verschiedener revolutionärer Organisationen geben. (In diesen beiden Fällen müssen die revolutionären Organisationen unbedingt ihre eigenen Strukturen aufrecht erhalten.) Und schließlich können verschiedene revolutionäre Kräfte ein so hohes Maß an Übereinstimmung feststellen, dass eine getrennte Existenz nicht zu rechtfertigen ist und sie miteinander verschmelzen. Wir wollen uns im Folgenden vor allem mit dem letzten Fall, mit Fusionen von revolutionären Organisationen beschäftigen. Und wir wollen die Frage beleuchten, unter welchen Bedingungen aus unserer Sicht heute solche Fusionen erfolgversprechend sein können.
Mit unserem Text wollen wir einen Beitrag leisten zu den Debatten um Umgruppierungen, die es derzeit in einer Reihe von Ländern gibt. Wir wollen aber auch nicht verhehlen, dass wir die Chancen für wirklich große internationale Umgruppierungen der revolutionären Linken heute sehr skeptisch einschätzen. Viele Organisationen haben eine lange Geschichte und werden ihre eigenen Traditionen und programmatischen Besonderheiten wohl erst dann hintan stellen, wenn sie das Gefühl haben, dass es tatsächlich einen „großen Wurf“ gibt, eine neue große Organisation also, die tatsächlich einen relevanten Unterschied macht. Wir sehen aber derzeit nicht, wo im internationalen Maßstab die Katalysatoren für diesen großen Wurf sein könnten. Doch Größe ist nicht alles, jeder Organisationsentwurf müsste natürlich erst noch dahingehend geprüft werden, ob er tatsächlich einen Fortschritt darstellt.
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